Band 
Zehnter Band.
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greifen. Ein solches ist der Don Quixote, worin mit den ein.fachsten Fäden ohne Unwahrscheinlichkeit der Begebenheiten/ ohneSucht zur Belebung des Interesses, das klarste und sprechendsteGewebe der spanischen Lebensweise gefügt wird und der so eineNationalepopce ersetzt. Er hat nichts gemein mit dem modernenRoman der Analyse, sondern stellt vielmehr zwei symbolische Ty-pen in der Weise des MittclalterS auf: die sich großartigen Ge-fahren weihende Seele und den sich schonenden Leib. Der Ver.faffer beabsichtigte damit, seine LandSleute von der Lescwuth vonRittergeschichren zu heilen, und setzte zu diesem Zwecke den süßenVorspiegelungen einer durch sie verirrten Einbildungskraft dieProsa eines gesunden Sinnes und die Wirklichkeiten deö Lebensentgegen, welches dem Menschen Alles in einer ganz andern Ge.statt zeigt, alö er es geträumt hatte. Aber nicht genügt eS ihm,diesen Heroismus, der braven Leuten den Kopf zerschlägt, diesenEdelmuth, der Galeerensklaven befreit, nur das Gute will, ohneMittel und Maß, dessen Vorzüglichkeit nicht so sehr in klaremBewußtsein und verständiger Ueberlegung, als in verschrobenenLektüren und überfeinem Mitgefühl wuchert, zum Gegenständeseines Spottes zu machen; auch die sinnliche Selbstsucht deSSancho Pansa findet ihre Geißel. Im wettern Verlauf jedochund besonders im zweiten Theile nehmen die Charaktere einanderes Gepräge an; der Held von der Manch« ist im Besitzritterlicher Tugenden und vieler Kenntnisse und leidet nur aneiner partiellen Monomanie, einer natürlichen Krankheit, welchekeine moralische Lehre in sich schließt, sondern allein den trivia.lcn Gegensatz zwischen Tugend und Thorheit begründet; beinäherer Betrachtung der Rechtlichkeit, welche aus allen Toll-Heiken deS Ritters durchblickt, werden wir sogar mehr zum Mit-leiden als zum Lachen gestimmt. Daher gewinnt das Buch inder Entwicklung einen Zug von Melancholie, wenn das Erhabeneganz nahe anS Niedrige streift und mitleidöloS die Träume cnt-zaubert werden, welche doch die Jugend so sehr anziehen undso oft wahrhafte Tugend und erhabenes, wenn auch unüberlegtesStreben wecken. Unter beständigem Spotte, in diesem grellenGegensatze zwischen der egoistischen Materie und dem opferwilli-gen Geiste, wobei sich das Gefühl in Belachung jener und Be.mitleidung dieser theilt, entschleiert Cervantes die an seinerSeele fressende Unzufriedenheit über die verkannten und so schlechtbelohnten hochherzigen Regungen feines Herzens, die ihn als