Band 
Zehnter Band.
JPEG-Download
 

288

haupteten den Vorzug/ so daß zur Zeit Philipps IV der Rathvon Castilicn die Schauspielhäuser nach dem fünfjährigen Kriegewieder zu öffnen gestattete (1614) unter der Einschränkung:Stoffe, die zum guten Beispiel gereichten und das Leben derHeiligen und einen erbauenden Tod behandelten / ohne allen Un-terlauf von Liebe zu wählen *). Die Scherzspiele flüchteten sichaus den Kirchen auf die Bühne/ wo sie in der Form von Vor-spielen, wörtlich Lob (Ion.) genannt, und Zwischenspielen her-vortraten; eine Art neuerer Zwischenspiele oder Nachspiele warendie witzigen oder auch boshaften Hinkte« unter Begleitung vonMusik und Tanz. Den gewöhnlichen Inhalt der Stücke bildenIntriguen sehr verwickelter Natur, wie sie aber dem abenteuer-lichen und Abenteuer über alles liebenden Wesen und Leben derSpanier angemessen. Man bekümmerte sich wenig um Wahr-scheinlichkeit, wenn es sich um Liebe, Spannungen und Auf.Wickelung eines fein verworrenen Fadens handelt; da gibt eswunderliche Abenteuer, Galanterie nicht selten ohne Feinheitund Schicklichkeit, Leidenschaften von einer außerordentlichenStärke, Treulosigkeiten, großartige Gaunereien, die sich geschicktin den Deckmantel der Liebe hüllen, vor Allem jedoch eine be-fremdende Gleichgültigkeit gegen Blutvergießen.

Der eben erwähnte Lope d e R u ed«(1500-64), der Gold-schläger, bediente sich in der Ueberzeugung, daß die Sprache derComödie sich möglichst streng an die Natur halten müsse, derProsa anstatt der blumenreichen Poesie, die bis jetzt im Schwüngegewesen war. Doch war er nicht der erste Autor, wie Cer-vanteS und die Geschichtschreiber behaupten, denn das ältesteStück ward (1514) bei Gelegenheit der Hochzeit Ferdinandsvon Aragonien von, Markgrafen von Vtllcna für die Bühneverfertigt, doch ging eS nebst seinen übrigen Werken auf demScheiterhaufen der Inquisition unter; darauf setzte der Markgrafvon San tillane die Schlacht von Ponza zwischen den Genucseuund Aragoniern in Scene, welches Werk jüngst von Martine;de la Rosa in Paris entdeckt wurde.

Juan de la Encina schrieb Eklogen oder Hircengespräche,worin er selbst die Hauptrolle gab und Anspielungen auf dieLandesereignisse machte; er brachte Tänze, zuweilen auch drolligeScenen hinein, und ließ sie mir Gesang endigen. Die erste

) Die Sakrcimeutalspiele wurde» unter CarlIII. im Jahre ,765 verbaten.