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Zehnter Band.
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lichen Ursprung her kam dem spanischen Theater der sreiereGeist zu Gute, der sich nicht an die Nachahmung der Classikerund an die Schulregeln band, vielmehr fich eng an den National,charakter anschloß. Die italienische Kunst rief auch nicht eineinziges Drama von Lebensfähigkeit in's Dasein, während dieSpanier Ueberfluß haben an Originalschöpfungen, die als derGipfelpunkt der romantischen Dramatik zu betrachten sind.

Das Hinarbeiten auf ein Ziel, ein Gefühl, eine Handlungzum Gegenstände der Behandlung machen, und denselben mitAnwendung aller möglichen Mittel nach allen seinen Richtungenhin wenden und erörtern, daS ist die Kunst der spanischen Dra.maturgen. Sie wollen nicht, wie die Franzosen, von jedemSchrille Rechenschaft geben, nicht den Knoten schürzen für deneinzigen Zweck, ihn zu lösen, sondern sie lassen Leidenschaftenspielen, deren Gegensatz die Verwicklung bildete. Daher bandensie sich nie an jene eingebildeten Einheiten, die nur auf Kostender Wahrheit sich behaupten können*), sondern sie ließen Ereig.Nisse auf einander folgen, die in Zeit und Ort auseinanderlagen, und stellten möglichst lebendig das Wesen und die Wirkungender Leidenschaften dar, geleitet von dem Wunsche, daß dasDrama, sich stützend auf die Feinheit der Kunst, die wahre Poesieim Ausdrücke sei. Was die Grundlage betrifft, so haben sienicht durch Verkündigung der stolzen LoSsagung von Mittelalterund Christenthum jene Selbstständigkeil und Eigenthümlichkeiterreicht, die um so auffallender, als die Spanier in allen übrigenLitcraturgattungen den Weg der Nachahmung des Auölandeögingen.

Ihre Theaterstücke erleiden eine Eintheilung in göttliche(religiöse) und menschliche, und zwar zerfallen jene wiederin Leben der Heiligen nach Art der Mysterien und in Sa.kramentalspicle oder Opferdarstellungcn, die fast immerallegorischer Natur sind und zur Verherrlichung deS Frohnleich.namSfesteS dienen. Die menschlichen zerfallen in heroische, hi-storische, mythologische oder sogenannte Mantel- oder Degenstücke,welche die Gesellschaft darstellen. Die Sakramentalspiele be-

*) Im 16. Jahrhundert suchte der Rhetor Pinciano die aristotelischenRegeln zur Geltung zu bringen, welchem gegenüber Juan de laCueva die Freiheit aufrecht hielt, die den Zeitverhälmissen und derEinbildungskraft weit förderlicher sei.