302
De Soli-. 1610-1666.
Der letzte Schauspieldichter der ältern spanischen Bühnevon Bedeutung war Antonio de Solid y Ribadeneyra,vielleicht berühmter alS Geschichtschreiber von Mexiko. Schonals siebzehnjähriger Jüngling dichtete er während seiner Studienzu Salamanea ein Schauspiel. Er wurde bei wachsendem Rufeeiner der königlichen Schriftführer und einer der beliebtestenDichter für die Schloßbühne deS Königs und die Schauspiel-Häuser der Hauptstadt. Er zeichnet sich aus durch eine feineVerwicklung der Stoffe/ die allerdings oft entlehnt sind/ reineSchreibart und Wohlklang deS Versbaues. AuS Gewissensangst,lichkeit entsagte er jedoch später der Bühne/ wie so mancherandere/ und zog sich in ein Kloster zurück/ wo er Priester wurde,und unter frommen Betrachtungen und historischen Studien seinLeben beschlossen zu haben scheint.
Ungeachtet einer so großen Menge von Schauspielen hattesich in Spanien kein rechtes Trauerspiel entwickelt/ mit AuS-»ahme der von Außen eingeführten. DaS erste Beispiel davongab BoScan durch seine Übersetzung des EuripideS. Fer.nando Perez de Oltva schrieb unter Nachahmung von Tris-sins Sophomsbe zwei Tragödie»/ die 1570 aufgeführt wurden,während der Bruder Geronimo Bermudez sich die Leidenund Rache des Perez de Castro zum Vorwürfe nahm. Aber erstmit der Einführung deS französischen Geschmacks konnte die Nach.ahmung Fuß fassen. Doch weil wichtiger als diese Einwirkungder französischen auf die spanische Bühne war die der letzternauf jene, der sie hinsichtlich deS Materials eine wahre Fundgrubegeworden ist*). Wir beschränken uns nur auf die ErwähnungdeS Lid, Heraklius und Don Sanchez von Aragonien (PeterCorneille)/ deS WenzcSlaus (Rotrou)/ deS äe
pioi-re und der Prinzessin von Elis (Mokiere), aller Werkevon Thomas Corneille und der ersten von Quinault.
Mit Ausnahme der dramatischen zeigen die übrigen Erzeug,nisse der spanischen Poesie mehr Anmuth der Verse und ReinheitdeS Styls, als gewaltige Einbildungskraft. Im Verlaufe eines
«) Voltaire gesteht ein, daß seit Ludwig XIV. bis auf seine Zeit dieFranzosen ungefähr 40 dramatische Stücke entlehnt haben; und Cer-vantes sagt, daß in Frankreich Mann und Weib sich die Erlernungder castilischen Sprache äußerst angelegen sein lasse.