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Vaterlandsliebe und der Sitte. Wo er die Treue schildert, isteS nicht die konventionelle, von Amt, Stand und StaatSverhält-Nissen abhängige, sondern die freiwillige, die auf Pflicht undNeigung berühr. Die Liebe hat bei ihm nichts mit einem tra.ditionellen Fraucndicnste zu thun, und führt nicht zu stehendenCollisionen mit StandeSrücksichtcn; wo sich bei ihm Ungleichelieben und verbinden, kommt daö natürliche Recht immer weitvor den konventionellen Vorurthcilcn zur Sprache, und die sichgegen solche Verbindungen wehren, thun eS weil mehr auS allge-mein menschlichen Beweggründen, als aus Srandcsgrillen. Sohat er auch fast nirgends mit dem modernen Ehrcnpunkte zuthun; der Begriff der Ehre fällt bei ihm mit dem des Verdien,stes, des Ruhmes, der Tapferkeit und Männerwürde zusammen.Ueberall rückt hier Shakspeare auf den rein humanistischenStandpunkt der Alten und setzt in sittlicher Beziehung daS reinmenschliche und wahrhaft Natürliche an die Stelle von den Ber-irrungen der Zcitbegriffe, ebenso wie er eS in ästhetischer Be-zichung an die Stelle deS Uebcrnatürlichen und Conventionellender romantischen Kunst schob. Und ebenso meidet er auf derandern Seite daS Untcrnatürliche und Conventionelle der nordi-scheu Gcnredichcunss. Er hat sich nur Einmal, in den Windsor-weibern zu der Schilderung der bürgerlichen Gewöhnlichkeit, deralltäglichen Verhältnisse, der Wett der Mittelmäßigkeit herab-gelassen, und auch dies Eincmal hat er dieser Sphäre durch dieabenteuernde Natur dcö Helden ein Gegengewicht gehalten. Erhat sich nirgends in die Zeichnung von Originalen und Launerneingelassen, die sich in aparten Humore» und Grillen gefallen,wie eS in Ben Jonsons Schule anfing und in den humoristi-schew Romanen der Engländer sich fortsetzte; seine karikirtenSonderlinge, seine Pedanten und Eisenfresser sind ein Gemeingutder Welt. Er hat nirgends daS Genreartige, die dramatischeBurleske, die ganz niedere Natur isolirt um ihrer selbst willengeschildert, wie Holberg, sondern nur im Kontrast zu andernFiguren. Dies ist selbst da geschehen, wo er, wie in der Zeich,nung seiner Lanz oder der Kärrner in „Heinrich IV " am aller,tiefsten, wir wollen in diesen Fällen zugeben, tiefer herabgesticgenist, alS irgend einem Künstler rarhsam wäre. — So im großenGegensatze gegen die Extreme der südlich-romanischen und nordisch,germanischen Kunst gesehen, tritt Shakspeare von sittlicherSeite immer in die richtige Mitte zwischen Uebernatur und Un.