Band 
Zehnter Band.
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natur des Lebens auf die Stelle ächter, unvcrkünstelter Mensch-lichkeit, und von ästhetischer Seite in die Mitte von Wunderlich-keil und Zufälligkeit auf die Stelle allgemeiner Wahrheit. . . .ES war ihm nicht genug, daß seine Dichtung einen Inhalt habeund daß ihr äußerer Körper damit in Uebereinstimmung stehe,eS kam ihm auch wesentlich darauf an, daß dieser Inhalt in sichselber rein menschlich, wahr und nothwendig sei. Mit diesemallgemein gültigsten, von Zeit und Ort und Geschmack möglichstunabhängigen Gehalte, der von allem Zufälligen und Willkürli-chen gereinigt ist, besitzt Shakspeare'ö Dichtung das Wahre;mit seiner unnachahmlichen Gabe, eS zu schildern und darzustellen,sinnlich und faßlich zu machen, mit dem Schein der Willkürlich-keit zu umkleiden, besitzt sie das Schöne, das von der Erschei-nung getrennt nicht zu denken ist; so weit fällt das Wahre mitdem Schönen, die Idee mit dem Ideale zusammen. Der Dichter,der dem Abstrakten, an sich Wahren Gestalt und Erscheinunggiebt, und der Andere, der das gemeine Wirkliche vergeistigt, dieMaterie beseelt, das Besondere verallgemeint, das Zufällige ge-setzlich macht, kommen sich in einerlei Wirkung, in der Darftel-lung des Schönen, in der Verbindung des Realen und Idealenzusammen. ... Sehr wenige Dichter sind überhaupt mit Einerdieser Unterscheidungen zu kennzeichnen; ein Uebergcwicht wirdimmer nach einer der beiden Seiten hinneigen, wie bei Shak-speare das Uebergcwicht des Realistischen unleugbar ist; beikeinem aber sind, wie bei ihm, Gewicht und Gegengewicht so groß,daß man leicht über der Schwere des Einen das Andere ganzübersieht. Je nach verschiedenen Seilen ins Auge gefaßt, ist erbald das Eine bald das Andere, in der That aber keines, weiler bcideS zugleich ist. Gegen die ritterlichen Dichter deS Mittel-alrerS gehalten ist er antik, gegen die Alke» modern, gegen diefranzösischen Dramatiker Natur, gegen seine zeitgenössische Eng-lischen Kultur, gegen die Spanier realistisch, gegen die englischenHumoristen ideell." Die Idealität deö Shakspeare'schcn Dramasliegt vor Allem in der unergründlichen Tiefe, mit welcher darindie ewigen Gesetze der sittlichen Weltordnung in ihrer religiösenVerklärung als die Wahrheit aller Wirklichkeit enthüllt werden.Wenn Homer die schöne Seite des Ethnicismus darstellt, woer die Rohheit der Natur überwunden hat und einer höher»Kultur entgegengeht; wenn Horaz die Corruption, den Unter-gang der Natur in der Häßlichkeit der Entsittlichung, den Ueber-