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aber auch die Kultur nicht über der Natur"*). — So ist dieserfreisinnigste Dichter auch der konservativste, wie er der größteist. Die Schwächen, die man an ihm bemerken kann , sind wieMaale der dichterischen Manier der Zeit, die an ihm hängengeblieben, aber in'S unendlich Kleine an dem ganzen gesundenKörper verschwinden. So verhält eS sich mit jenen Obscönitätcnund Concepten, jenem räthselhaften Tiefsinn der Rede und Aus-druck fast überall. In einzelnen Fällen, namentlich in den frü-heren Werken, mögen manche Entstellungen dieser Art nicht zurechtfertigen sein. Aber wir könnten unS den Dichter so wenigdadurch verleiden lassen, wie Homer durch seine naiven Bei,Wörter. Das äußere Kleid der Zeit in Sprache und Sitte ganzabzulegen, geht über jedes Menschen Kraft.
Deutsche und nordische Literatur.")
Der humanistischen Bildung gegenüber, die ganz ausschließ-lich auf dem griechischen und römischen Alterthum beruhte, sahsich unsere nationale Literatur stets vorwiegender auf den Schatzdes eigenen VolkSgcistes angewiesen. Da aber die Dichtkunstnicht im bloßen Volkslied« erschöpft werden kann, und, um alsKunst zu gedeihen, der ernsten Pflege dazu Berufener bedarf,mußte die von den Gelehrten verächtlich bei Seite geschobenePoesie immer mehr zerfallen, wozu dann äußerlich nicht wenigdie Zerrüttung Deutschlands, die politischen wie die religiösenKämpfe beitrugen; und vollends alle noch übrig gelassenen Blüthenertödiend ging der eisig kalte Sturmwind der Glaubenöspaltungüber die deutsche Dichtung hin, während die poetische Literaturin den von der Reformation verschonten oder wenig berührtenLändern eine bewundernswürdige Entwickelung fand. Währendgleichzeitig in katholischen Ländern Literatur, Wissenschaft undKunst ihr goldenes Zeitalter feierten, ward in Deutschland jeneBegeisterung , jenes Hinstreben nach Einem Ziele, wodurch alleinGroßes erreicht werden kann, verkümmert, ertödtet, bis manzur widerlichen Ausländerei, zum sklavischen Nachahmen derFranzosen hier, der Engländer dort herabgesunkcu war. Indemferner die Reformation, daS gläubige Gefühl im Volke unlcug.
*) Gervinus a. a. O- Bd. IV.
*«) Vorn Bearbeiter. Vergl. Bd. VIII. (Geschichte des MntelalterS Bd. IV.)Kap. XXV. S. 1008 f.