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Dichter, wie der Geschichtschreiber, an Philosophie und Religionab. „Dulden muß der Mensch sein Scheiden aus der Weltwie seine Ankunft; reif sein ist Alles". — „Warum bin ich?Die Frage thue deinem Schöpfer; mir ist'S genug, daß du bist!"Diese beiden Sätze bezeichnen diesen Standpunkt ganz genau...So hat für den Dichter auch die instinktive Tugend der SöhneCymbeline'S ihren Reiz, aber wie ste selber, so strebt Shak.speare hinweg auS dem Naturstand , der kein Laster kennt,wie aus dem entgegengesetzten Zustand des dauernden Sünden,sallö (einer Zeit wie Lear'S), wo der Geist über den Triebkeine Gewalt hat, zu dem vernünftigen Bildungszustande, wogeprüfte und bewährte Tugend den Menschen über die Sündehinweghcbt und ihm ein goldenes Zeitalter schafft in seinem Ge-müthe. Denn das Böse wird erst ganz überwunden sein, wenneö gekannt und von Angesicht gesehen, und die Lust, wenn ihrSirenengesang bestanden ist; erst der, „den die Welt erzogenund geprüft hat, ist ein vollkommener Mann" .... Verderblichwie jene Lehre,'daß an sich nichts gut oder schlecht sei, in denHänden der Schwärmer sein mag, die die Welt nicht kennenund nicht kennen wollen, sondern nach sclbstgeschaffenen Wahn.bildern umzugestalten streben: bei Shakspeare ist sie sehr un.bedenklich, der diese Welt nicht allein kennt, sondern auch vonihren Uebelständen in seinem gesunden Herzen unverbittert ist,und der ste nicht besser verlangte, als die Menschen sie und sichselber machen wollen. In ihm ist die Einbildungskraft des Dich.terS mit dem nüchternen Verstände des Weltmannes, mit derFrische des Gemüths die Arbeit der Erfahrung, mit der Jugenddes Herzens die Vernunft des Alters stets verbunden; dies warenleider in der Zeit unserer deutschen Dichcungsblüthe unversöhnteGegensätze, aber nicht so in Shakspeare! Die Autonomieund die Selbstsucht des Individuums wäre ihm ein Greuel ge.Wesen, die starkgeistig alles Gesetz in Politik und Sitte an.feindet und sich über die Bande der Religion und des StaatShinwegsetzt, die seit Jahrtausenden die Gesellschaft erhalten.Denn in seiner Ansicht würde die praktische Weisheit der Menschenkein höheres Ziel haben, als in die Gesellschaft die möglichsteNatur und Freiheit zu tragen, aber eben darum die Naturgesetzeder Gesellschaft heilig und unverletzlich zu erhalten, das Be.stehende zu ehren , aber in sein vernünftiges Theil immer sichtendvorzudringen, die Natur über der Kultur nicht zu vergessen,