Band 
Zehnter Band.
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macher leistete daS Vorzüglichste im Gebiete der heitern undkomischen kleinern poetischen Erzählung. Mit ihm ging dieMeistersängerei auch zu Ende, da in Folge der Reformation, ander er selbst als Freund Luthers Antheil nahm, der Renaissance,styl alle alteren Formen verdrängte. Während er in seinerdumpfen Schusterwerkstatt nur handwerksmäßig reimen gelernthatte und seine Knittelverse um nichts besser waren, als dieder andern immer roher gewordenen Verfasser der Fastnachts.spiele, zog sein mächtiger WissenSlrieb nicht nur alle poetischenErinnerungen der Kirche, dcS Kaiserlhums und Rittcrthumö,der Volkösagen rc., sondern auch der antiken Well zu sich herein,und was immer die Humanisten von alter Mythologie, Geschichteund Poesie wiedcrcrweckt hatten, das konnte dem Heißhungerseiner Cmpfängntßbegierde nicht entgehen. Indem er nun dieengen Wände seines Zimmers zu einem Panorama aller Zeitenund Völker ausdehnte, übertraf er an Universalismus alle seineVobgänger und war der Erste, der überhaupt der deutschenPoesie das Ziel anwieS, Weltpoesie zu werden. In ihm con.centriren sich daher nicht blos seine nächste Vergangenheit undZukunft, das Mittelalter und die Renaissance, sondern er er.scheint auch als Prophet der neuesten Zeit, in der alle Geschmäckesich gemischt haben, die deutsche Dichtung daS Erbe aller Zeitenund Räume in sich aufgenommen hat. Ich will nicht verhehlen,daß mir die Stoffsuchl des HanS Sachs, die Habgier, dieallen poetischen Stoff der Welt zusammcnplündcrte, besser ge.fällt, als die Formsucht des berühmten Opiy, der ein Jahr.hundert später bei fast gänzlicher Vernachlässigung des Stoffesnur leichtere und gefälligere Sprachformen suckle. Denn mandarf nie vergessen, daß in der Poesie der Stoff allezeit die Haupt'fache, die Form nur Nebensache ist. Allein die Stoffbegierdedeö Hans Sachs war nicht minder krankhaft und unnatürlich,wie die leere Formkünstelei deö Opiy, weil er ohne Wahlalles zusammenraffte und die deutsche Poesie zu einem bloßenPackhof voll Waarenballen und Fässer machte. — Als passiverPoet war HanS SachS einer der größten auf Erden, alSactiver einer der kleinsten. Seine eigene Erfindungsgabe istschwach, nur in den Schwänken zeichnet ihn eine originelle,überall naive und treuherzige Schalkhaftigkeit auö. Seine Spracheist aber fast ohne Ausnahme ohrzerrcißend, unerträglich hart."*)

«) W. Menzel, a. a. O.