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Dieser erstaunlich fruchtbare Dichter war ein eifriger Protestant,täuschte sich jedoch keineswegs über die Gefahren und Extra-vaganzen der neuen Lehre, fühlte sich vielmehr beständig vondreierlei Parteien umgctricben, „erstlich von den Maulchrisien, dar.nach von den Romanisten und von den Religiösen; sind einesTucheS drei Hosen, die er nicht ziehen kann". Seine poetischeAnlage — bemerkt Eichendorff — wendet ihn noch häufigzu den altrirterlichen Stoffen von Siegfried, Fortunat, derMagcllonc u. s. w., während er zugleich der erste ist , der, nach-ahmend und reproduzirend, das klassische Ritterrhum volksmäßigbei uns einführt. Allein eS sind weder die großen Gedanken,welche die romantische Vergangenheit belebten, noch die plastischeSchönheit deö heidnischen Alterthums, was ihn anzieht, sonderndie darin zerstreuten kleinen Charaktcrzüge und moralischen Nutz,anwcndlingen, die er in tausend wechselnden Formen verarbeitet.Und so objectiv auch oft seine Dichtung und Allegorie erscheint,so ist es doch eigentlich nur seine eigene Individualität undliebenswürdige Persönlichkeit, die Alles färbt und belebt; seineHelden, türkischen Kaiser und heidnischen Ritter sind durchausNürnberger Patricier, sein Patriotismus ein bürgerlicher Ge-meinsinn, seine Poesie ein löbliches Handwerk, wie der ganzeMeistergesang, den er vorzüglich zu Ehren gebracht.
Der Zwischcngattung zwischen der Meiftersängerei und derRenaissance gehören auch zwei geschichtliche Dichtungen an, dieman noch zu den Chroniken zählen kann. Erstens der Tbcwrdank,ein auf Befehl und unter den Augen Kaiser Maximilians Ivon Melchior Pfinzing niedergeschriebenes allegorisches Ge-dicht vom Leben desselben Kaisers (gedruckt 1517, 1518; Aus-gabe von Halt aus 1836). Burkard WaldtS fügte 1553eine Menge Verse mit moralischen Sentenzen hinzu. Eine vielschönere Zugabe sind die Holzschnitte deö Hans Schaufele«.Das zweite Werk, der Weißkunig, ist nach Angabe Maxi-milianS I von Marx Treitzsauerwei n in Prosa gedichtetund enthält die Vorgeschichte zum Thewrdank, nämlich das LebenKaiser Friedrichs II, worin die Ansänge seines SohnesMax eingestochten sind. Der weiße König ist der deutscheKaiser, der blaue ist der König von Frankreich, die brauneGesellschaft sind die unbotmäßigen Niederländer. Alles ist hiernoch »erkünsteltere Allegorie und noch verstecktere politische Moral,