Band 
Zehnter Band.
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nachzuweisen; dies gelang zwar nicht, dagegen ist die Sammlungeiner der kühnsten und geschicktesten Angriffe gegen die Kirche.Er war als Professor nach Jena berufen worden, aber in Folgeseiner Lehren über den freien Willen und die Erbsünde wurdener und seine Anhänger ihrer Stellen entsetzt; er lebte fortan,durch seine Polemik mit den mächtigsten protestantischen Fürstenverfeindet, unstet und verfolgt in RcgenSburg, Antwerpen, Frank»fürt, Straßburg, in Schlesien und Hessen, und starb endlich zuFrankfurt wie ein zu Tode gehetztes Wild, und das tragischeEnde eines Mannes, der an Umfang theologischer und historischerKenntnisse wohl alle seine protestantischen Zeitgenossen übertraf,scheint nur darum so wenig Aufsehen und noch weniger Mit»gefühl erregt zu haben, weil so viele seiner StandeSgcnossen da,mals — wo die Reformation, wie SaturnuS, ihre eigenen Kin.der verzehrte — eines ähnlichen Todes starben, und weil erselber daS an Melanchthon gethan hatte, waS Andere jetzt anihm thaten *).

BaroniuS.

Um die „Centurien" zu widerlegen, schrieb der KardinalCcsarc Baronio von Neapel (1538 -1607) seine „Annalen".Da er zu diesem, ganz im Sinne des päpstlichen Primats gcfaß.ten Werke die römischen Archive zu seiner Verfügung hatte,konnte er daraus wichtige Urkunden auch Betreffs der Profan,geschieht« schöpfen, deren Mittelpunkt Rom gewesen **). Er kamnicht über das zwölfte Jahrhundert hinaus. Eine Fortsetzung(bis 1564) unternahm der polnische Dominikaner AbrahamBozcoviuS zu Krakau (f 1637); SpondanuS, Bischof vonPamiers (f 1643), führte das Werk weiter bis 1640; aber derOratorianer Oderic Raynald erreichte allein in seiner Fort»setzung (bis 1565) den BaroniuS; ein anderer Ordensgenosse,

*) Dölliuger, die Reformation rc. H. D. B.

*») Paolo Sarpi schrieb am 8. Juni 160Z an Casaubon, um ihnzu ermuntern, gegen BaroniuS aufzutreten, über welchen er allesmögliche Schlimme sagt. Nur warnt er ihn, denselben nicht der wis-sentlichen Täuschung und Falschheit zu zeihen, denn keiner von denen,die ihn gekannt, werde das glauben, da er ein überaus redlicher Manngewesen. Unglücklicherweise habe er die Meinung eines jeden angenom-men, der in seiner Nähe sich befunden.