474
Jahre lang apostolischer Nuntius in den Niederlanden, erzählteauf Italienisch die dasigen Kriege, aber in einem trocknen Style,ohne Anmuth «nd Eleganz; will er einmal geistreich erscheinen,so verfällt er in Antithesen und alberne Witzeleien. Seine Memoirenhaben eine hohe Bedeutung, ebenso seine Nachrichten über dieHöfe Flanderns und Frankreichs, in deren Verwicklungen eruns tiefe Blicke thun läßt, obgleich er ste nur oberflächlich be.rührt, sei eö nun, daß er sie nicht zu durchdringen vermochte,oder daß er parteilos bleiben wollte, um dafür die Beschreibungder Waffcnthaten, die undankbarste Seite der Geschichte, mehrin den Vordergrund zu stellen. — Die sechs Bücher des Pom.peo Justin iani (f 1616) über den flandrischen Krieg sind nur instrategischer Hinsicht von Bedeutung. — Auch Luigi Guicciar.dini, der Bruder des Historikers, hinterließ gute Nachrichtenüber die Niederlande.
Mit der Kunst und oft auch mit dem Geiste der Alten be.schrieb Caterino Davtla (1576—1631), ein Paduaner, dieBürgerkriege in Flandern, an denen er Antheil nahm. Er be.währt einen scharfen Blick in die Begebenheiten und Genauigkeitin ihrer Beschreibung; er ist weise in der Anordnung und eintrefflicher Kenner des französischen Charakters; mehr Realist alsKatholik, betrachtet er die Politik als ein Spiel zwischen Tapfer,keil und diplomatischer Ueberlistung. Er rechtfertigt Catharinavon Medici, welche seine Pachtn war, und die BartholomäuS-nacht scheint ihm nur darin radelnswerth, daß ihre beabsichtigteWirkung fehl schlug. So hat man richtig bemerkt, daß D avilazu mißtrauen ist, wenn er den Hof preist, de Thou, wenn erihn tadelt. Er ist nicht geziert, wiewohl in italienischer Artgeschwätzig, und sorgfältig bis zum Kleinlichen, wie man es nurvon einem Maune verlangen kann, der in den Vorzimmern Be-merkungen zu machen gewohnt ist. In einem Gespräche vondem Parmesaner Litcraten Tomaso Stigliani beleidigt,forderte und durchbohrte er denselben. Sodann nahm er Dienstebei den Venetianern und kriegte für sie in der Levante; daraufzum Gouverneur von Brescia ernannt, wurde er bald nach derVeröffentlichung seines Werkes ermordet. — Die Berichte derGesandten, von welchen Italien eine große Anzahl auszuweisenhat, können nur als Hülfsmittel zur Geschichte gellen. Sie sindeinfach, doch mit Würde gehalten, und bekunden ein sicheres