Band 
Zehnter Band.
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Urtheil, ohne sich an die Ängstlichkeit der Fachhistoriker zubinden.

Die Deutschen blieben in der Geschichtschreibung zurück,weil ihre Gelehrten ihr Augenmerk ausschließlich auf Philologieund alte Literatur wandten; dazu kam, daß die bessern Kräftevon dem Reformationöstreite in Anspruch genommen wurden.So blieb das Feld der Geschichte nur solchen Leuten überlassen,die kaum die nöthigen politischen Vorkenntnisse mitbrachten. DaSGebiet der Archäologie wurde erweitert, so wie das der Kirchen-geschichte, wovon allerdings eine tiefere Einsicht in die politischedie Folge sein mußte. Doch sind die Ergebnisse, die stets imZusammenhange mit philosophischen oder theologischen Studienstanden, kaum mehr als Vorarbeiten. Als einer der bedeutend-sten ist zunächst Johann Tritheim (eigentlich Johann vonHeidenberg, 1462—1516) anzuführen, ein Mann von aus-gezeichneter Gelehrsamkeit und ein großer Beförderer wissen-schaftlicher Kultur. Namentlich hat er durch sein Zurückgehenzum Quellenstudium uns schätzbare Notizen hinsichtlich des deut-schen Alterthums aufbewahrt. Seine Hauptwerke sind die Chronikdes Klosters Hirschau (838—1514) und der OatnIoAus sciipto-rum 66eltz8in8ti6orum. — Johann Thurm ay er (1477—1534),von seiner Vaterstadt Abensberg Aventinus genannt, schriebaußer Anderem nniislas Roiorum und ein Otironieon Lsvuriue;in welches er so ziemlich die Ereignisse von ganz Deutschlandverwebte. ES ist sehr wichtig, weil neu und reich an Akten-stücken, mißfiel jedoch wegen seiner Wahrheit, und kam erst 32Jahre nach seiner Entstehung, und zwar verstümmelt, in dieOeffentlichkeir. Was die Handhabung der deutschen Sprache vonSeiten des Verfassers betrifft, so nimmt sie fast dieselbe Stufeein, wie die Luthers. Thurmayer gerieth am Ende seinesLebens in den Verdacht der Ketzerei und mußte deshalb vieleUnannehmlichkeiten erdulden. Sebastian Münster (1489—1552), der besonders hebräische*) und mathematische Studientrieb, gab in seiner DosmoArupiüri univ. eine der ersten deutschenGeographien mit Holzschnitten heraus, worin sich neben unver-meidlichen Irrthümern manches Gute befindet.

*) Er war der erste Deutsche, der eine hebräische Bibel (Bafel, 1634 und1636, 2 Bde. Fol.) drucken ließ. ,