484
Gleichung gleich Null. Auch machte er die Methode der Auf-lösung von biquadratischcn Gleichungen bekannt, die der Bo-lognese Ludwig Ferrari, sein Schüler, erfunden hatte, undwandte die Algebra auf die Geometrie und selbst auf die geo-metrische Konstruktion der Aufgaben an und zwar vor Vietaund DeScarteö, seil welchem letztem man in der vollständigenLösung der Buchstabengleichungen auch keinen einzigen Schrittweiter gethan hat.
Da Tartaglia sich beklagt hatte, daß Cardan seine For-mel veröffentlicht, so entspann sich ein Zweikampf in einunddrcißigAufgaben zwischen Ferrari und Tartaglia, in welchemletzterer seine Ueberlegenheit zeigte, indem er die schwierigstenstellte. Diese Herausforderungen und neun Bücher Beautwor-lungen von Fragen, welche Fürsten, Mönche, Gesandte und Ar-chitekten an Tartaglia stellten, bezeugen genugsam, mit welchemEifer man in damaliger Zeit jener Wissenschaft anhing.
Tartaglia (f 1557) war der Sohn eines Maulthiertrei-berS zu BrcScta; er wurde erst Soldat und widmete sich sodannganz den Studien der Mathematik, deren Lehrer er in Verona,Viccnza, BrcScia und zuletzt in Venedig war, ohne sich um diedamals so eifrig betriebenen geheimen Wissenschaften, noch umdaö Unglück seines Vaterlandes zu kümmern. Er wandte dieMechanik, die er zu rekonstruiren versuchte, auf die Bestimmungder krummlinigen Bewegung, sowie auf den Fall der schwerenKörper an, berichtigte Manches über den binomischen Lehrsatzund wandle sein vorzügliches Augenmerk auf die Ballistik, wodurcher mehrere Probleme der Artillerie glücklich gelöSt hat und zumBegründer eines neuen BefesrigungSsystemS geworden ist. DaSMittel, den Inhalt eines Winkels, dessen Schenkel bekannt sind,ohne Aufsuchung der Senkrechten zu berechnen, ist eine ingeniöseEntdeckung, die ihm nicht weniger gehört als die „mühsame(trnvnAlintn) Erfindung", ein unter Wasser gesetztes Fahrzeugvon beliebiger Schwere wieder siott zu machen. Er machte auchtreffliche Beobachtungen über die Schwere und den Widerstandder Luft und suchte nach den Pulüschlägen zu messen. Sogardie merkwürdige Erfindung des Buchstabenschlusses gehört ihm *).
') lls Kubtllitate, Basel 1607, lib. XVII. p. 1074. 8ei'i» yllLL Lut,nuwiii» claiiät xotost.