Band 
Zehnter Band.
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menschlichen Wissenschaft steht. Erwägt man, daß in Folge nichtblos der Reformation und der Zersplitterung eines großen Theilsder Christenheit in die vielfältigsten Sekten, von welchen jede

Meinung absurd scheine, so bitte er dennoch, das thun zu dürfen, wasauch Andern erlaubt gewesen sei, nämlich Zirkel zu fingiren, um dieBewegung der Gestirne zu demonstrircn. Auch ihm möge es erlaubtsein. einen Versuch zu macben, ob nicht, wenn man eine Bewegung derErde annähme, man zu vollständiger» und fester» Deiiionslrationen ge-lange, Dann spricht er sei» Vertrauen aus, daß geistreiche und gelehrteMathematiker ihm beipflichten würden, wenn sie die Sache genau undtief, und nicht oberflächlich überlegt haben würden. Zum Beweise, daßer sich vor keinem fürchte, wendet er sich an den Papst selbst. Dochfühlt er, daß ihm Einwürfe aus der heil. Schrift gemacht werdenkönnten, „und daß Einige, die von der Mathematik nichts verständen,wegen irgend einer nach ihrer vorgefaßten Meinung ausgelegten Schrift-stelle seine Lehre tadeln und verfolgen könnten." Aber er setzt hinzu:„Ich achte ihrer nicht, so daß im Gegentheil ich ihr Urtheil als ver-wegen verdamme." Er führt das Beispiel von Laetantins an, der die-jenigen verlache, welche glaubten, day die Erde die Gestalt einer Kugelhabe. Er schließt mit den Worten t „Deshalb darf es die lernbegierige»Schüler nicht Wunder nehmen, wenn Jene auch uns verlachen. Mathe-matik wird für Mathematiker geschrieben." Diese Sprache, welche ineinem seltsamen Gegensatze mit der anfänglich gestellten Bitte steht, eineHypothese aufstellen zu dürfen, beweist wenigstens, wie stark er auf dieGunst gerechnet haben muß, deren er in Rom genoß, — Die Heraus-geber der Basier Ausgabe von 1506 hielten es statt dessen für ihrePflicht, eine Vorrede vorauszuschicken, in der fle sagen: „es sei nichtnothwendig, daß diese Hypothesen wahr seien," und schließen mit denWorten: „Dulden wir daher, daß auch diese neuen Hypothesen nebenden alten bekannt werden, die um nichts wahrscheinlicher sind," UndCopernicus selbst fand es für gerathen, in einer Dedieation an den Papstdessen Schutz gegen die Widersacher und Verleumder seiner Lehre anzu-rufen. Der Stand der Frage, die hierdurch dem heiligen Stuhle vor-gelegt worden, war also die: ob es wahr sei, was der einfache, natür-liche Anblick des Himmels jeden Menschen lehrt, der sich mit der Er-klärung dieser Erscheinungen nicht befaßt hat, daß nämlich die Bewegungnicht aus der Erdeh sondern am gestirnten Himmel stattfinde, oder obumgekehrt die Erde es sei., die im Lause des Jahres einen Kreis umdie Sonne beschreibe, der den Sternbildern entspricht, die nach undnach von der Erde gesehen werden, und ob sie es sei, die im Laufedes Tages sich um ihre eigene Achse dreht — Bewegungen, aus welchendann die Tages- und Jahreszeiten erklärt werden mußten. Copernicusführte zur Unterstützung seiner Meinung die wichtigsten Gründe, Haupt-