Band 
Zehnter Band.
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Positionen formell häretisch, die zweite, unter dem theologischenGesichtspunkte, wenigstens für irrig im Glauben (nä minus er-roneu IN üäe) erklärt. In der spätern Vcrurcheilung (von1633), welche Venluri*) im Originaltext mittheilt, heißt eö:„Du bist im Jahr 1615 bei diesem heiligen Osftzium angezeigtworden, daß du alö wahr behauptetest die von Vielen gelehrtefalsche Doktrin: daß die Sonne der Mittelpunkt der Welt undunbeweglich sei, und daß die Erde sich bewege, ja sogar einetägliche Bewegung habe; daß du einige Schüler hättest, denendu die nämliche Lehre vortrügest; daß du über dieselbe in Brief.Wechsel stündest mit einigen Mathematikern in Deutschland, daßdu gewisse Briefe in den Druck gegeben habest, betitelt: von denSonnenflecken, in denen du dieselbe Lehre a!S die wahre ansein,andcrsctztest, und daß du auf die aus der heil. Schrift hergcnom.menen Einwürfe, die dir gemacht wurden, dadurch antwortetest,daß du besagte heil. Schrift deinem Sinn gemäß erklärtest. Undin Folge dessen wurde die Abschrift eines in Form eines Briefesabgefaßten Schreibens beigebracht, welches du an einen deinerSchüler geschrieben haben solltest, und in welchem, in Folge derLehre des CopernicuS, verschiedene Lehren gegen den wahren

Sinn und die Autorität der heil. Schrift enthalten sind **).

Nach diesen Anklagen folgt dann der soeben angeführte Ausspruch

*) Romaine e lottere iiieäits tkiwra, e äisxerso «li Llalileo Llalilei, or-äinate et illustrere von unnotusion! <la Oav. Kiumbattistu V en-tart, Llontiluomo kexxieno. Roäena, Vol. I. 1818, Vol. II. 182t.

**) Jenes Schreiben ist an den P. Ca stellt gerichtet. Als diesem vonRom aus das Schreiben abgefordert wurde, erklärte er, dasselbe demAutor zurückgestellt zu haben. Nnterdeß hatte Galilei schon in einemBriefe an seinen frühern Schüler Msgn. Dini den Inhalt jenes frü-hern bestätigt, mehr aber noch in der (oben auszugsweise gegebenen)langen apologetischen Abhandlung in Form eines Sendschreibens an dieverwittwete Großherzogin von Toscana, Christine von Lothringen, wo-rin er die theologische Seite der Frage weit mehr als die astronomischein Betracht zog, und der bisherigen Deutung der Vibelstellen aufsEntschiedenste den Krieg erklärte. In diesem Sendschreiben kam dieStelle vor, welche so vielen Anstoß erregte: er habe einen hohen geist-lichen Würdenträger (hiermit war Kardinal Baronius der Historiker ge-meint) sagen gehört, der heil. Geist habe uns zeigen wollen, wie manzum Himmel gelange, nicht aber wie die Himmel sich bewegten. Galileiund Rom von A. v. Neumont, Beiträge zur italien. Gesch. Bd. I.Berlin, 1853.