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Nachdem man einmal die in Rede stehende Lehre verworfenhatte, war eö nothwendig, daß auch die katholische Welt inKenntniß gesetzt werde, daß die Bewegung der Erde nicht be-hauptct werden dürfe, eS sei denn als Hypothese. Dieö geschah
Bewegung des Erdballs, nicht als Hypothese, sondern mit Zuversichtund Gewißheit behandelt: so haben sie dennoch, weil darin viele nütz-liche Dinge für das Gemeinwesen enthalten sind, einmüthig den Beschlußgefaßt, daß die bis aus diesen Tag gedruckten Werke des Copernicuszu erlauben seien, jedoch nachdem diejenigen Stellen nach der hier bei-gefügten Verbesserung corrigirt worden, in welcher nicht hypothetisch,sondern assertorisch von der Lage und Bewegung derErde gesprochen ist. — Jene Achtung vor der Wissenschaft, die beider Fassung dieses Dekretes maßgebend war, ließ indeß auch in demobigen Ausspruch die Qualifikatoren nicht verkennen. Er stützte sichdarauf, daß die beiden angeführten Sätze einesrheils absurd und falsch,anderseits der heil. Schrift widersprechend seien. Obwohl sie die Terteder heil. Schrift nicht einzeln anführen, so ist doch so viel klar, daß siein Beziehung aus die Unbeweglichkeil der Sonne, aus die Ausdrücke derBibel Bezug nehmen, die von einem Laufe derselben sprechen, weshalbsie die Proposilion, die einen solchen läugnet, formell ketzerisch nennen,weil sie der heil. Schrift ausdrücklich widerspreche. Dieses Urtheil setztvoraus, daß es evident und unleugbar sei, daß die Ausdrücke der heil.Schrift, welche von einer Bewegung der Sonne sprechen, in dem eigent-lichsten und wörtlichsten Sinne genommen werden mußten, wie sie lauten.Diese unleugbare Evidenz aber ist blos darauf gestützt, daß sie voraus-schicken: jene Präposition sei absurd und falsch in der Philosophie. Ebendeshalb wird auch der zweite Satz, der die Bewegung der Erde betrifft,weil er weniger handgreiflich dem Buchstaben der Schriftsprache wider-streitet, nicht ketzerisch, sondern blos: „von, theologischen Standpunkteaus betrachtet, zum wenigsten irrig im Glauben" genannt; allein auchdas Urtheil über diesen zweiten Satz ist darauf gestützt, daß derselbeabsurd und falsch in der Philosophie sei Zur Würdigung und zumrichtigen Verständniß dieses Urtheils sind zunächst einige sakrische Um-stände wohl ins Auge zu fassen. Der Lehre des Copernicus, obwohlauch er die Bewegung der Erde und den Stillstand der Sonne an-nahm, ist diese Absurdität und Falschheit in der Philosophie, in Be-ziehung auf seine Erklärung der Erscheinungen am Himmel, niemalsvorgeworfen worden. Auch wußte man bereits aus Prolemäus, daßdiese Erscheinungen seinen Annahmen nicht widersprechen. Ja es wurdesogar eben deshalb erlaubt, die Copernicanische Lehre als Hypothesezur Erklärung der Bewegungen am Himmel anzuwenden. Nun wärees unmöglich gewesen, zu gestatte», daß man eine Häresie, «iue» Irr-thum im Glauben, einen Widerspruch mit der heil. Schrift, wenn auch