Band 
Zehnter Band.
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sondern das Gegentheil dieser Meinung gezeigt und den Ungrundwie die Unzulänglichkeit der Copernicanischen Gründe dargcthanhabe."*) Am 30. desselben Monats fand daö zweite Verhörstatt, welches wieder hauptsächlich daö Verbot und den Dialogzum Gegenstände hatte. Der Angeklagte hielt eine lange Rede,die mit folgender Erklärung schloß: «Wird mir, wie ichwünsche, Gelegenheit und Zeit vergönnt, so ist es meine Absicht,deutlichst darzuthun, daß ich die verworfene Meinung von derErdbewegung und dem Stillstehen der Sonne mit Nichten ge-theilt , und ebenso wenig sie jetzt für wahr halte. Den Anlaßzu finden wird mir leicht werden, da in dem von mir heraus-gegebenen Buche die Jnterlocutoren sich verabredet haben, nocheinmal zusammen zu kommen, um über andere naturwissenschaft-liche Gegenstände mit einander zu reden. Da tch bei solcherGelegenheit eine oder zwei Unterhaltungen werde hinzufüge»müssen, so verspreche ich die zu Gunsten der gedachten falschenund verworfenen Meinung angeführten Gründe nochmals vorzu-nehmen und auf die bündigste Weise, die unser barmherzigerHerr Gott mir eingeben wird, zu widerlegen. Ich bitte dem-gemäß diesen hohen Gerichtshof mir bei diesem guten Vorsätzebehülflich zu sein und mir dessen Verwirklichung möglich zu ma,chen." — Im dritten Verhör am 10. Mai brachte Galilei seineVertheidigung vor. Sie betraf nur formelle Punkte. Er erklärtesich noch einmal über daö Verschweigen des Verbots. Er habeum so weniger dessen erwähnen zu müssen geglaubt, weil indemselben die Klausel, überhaupt über die Weltsysteme zu schrei,ben (czuDvis moäo äoeero), nicht enthalten gewesen sei, so daßer das Vorhandensein einer solchen Klausel in dem JnquisitionS-dekret selbst nicht habe annehmen können. In Bezug auf daöBuch habe er jeder Verbindlichkeit nachzukommen geglaubt, in.dem er dasselbe dem obersten Censor zur Untersuchung und Kor.rcktur zustellte, so daß er hoffen dürfe, von dem Vergehen will-kürlichen Ungehorsams freigesprochen zu werden. Im klebrigenaber stelle er sich und seine Sache der Gnade und Barmherzig,keil des hohen Gerichtshofes anheim.

DaS Urtheil erfolgte in der vierten Sitzung, am 21. Juni,

*) „Es ist leicht begreiflich, daß diese, in Mehrheit sehr ungenügende jaschwerlich ganz aufrichtige Antwort die Richter nicht befriedigen konnte."Reumont a. a. O.