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tät, auch nicht die der öffentlichen Meinung, achteten, glaubtensich alles erlaubt.
Nicht blos Cesare Borgia und sein Vater machten Ge-brauch von Dolch und Gift, sondern auch Andere, die im übri-gen in gutem Rufe standen. Sogar Alessandro Farne se,der für mild und menschlich galt, bediente sich dieser Mittel.Meuchelmorde gehörten zur damaligen Taktik, und Vergiftungenwaren überaus häufig in allen Ständen. Paolo Sarpi riechder Signoria von Florenz, zur Unschädlichmachung gefährlicherMenschen Gift anzuwenden, waS weniger gehässig und nützlicherals der Henker sei.
Eine Ferrarcscrin, die vom Cardinal Ippolito d'Este,dem Beschützer des Ariosto, geliebt wurde, verliebte sich in desCardinals Bruder Giulio, und vertheidigte sich damit, daß siedessen schönen Augen nicht widerstehen könne, worauf der Car-dinal seinem Bruder diese Mittel der Verführung auSreißenließ. In den handschriftlichen Tagebüchern des Sanuto liestman aus dem Jahre 1497: „Vor einigen Tagen beging DonAlfonso (später Gemahl der Borgia) in Ferrara eine über-aus leichtfertige Handlung; denn am hellen Tage ging er inBegleitung einiger junger Leute ganz nackt durch die Straßen."
Die Schauersccnen am Hofe des Coömo d e M edic i sindwohl vom Hasse der Verbannten übertrieben worden, gleichwieauch in Burkard's römischem Tagebuch unbczwcifelt viel Ueber-treibung ist. Aber auch dies in Anschlag gebracht, bleibt dochEntsetzliches genug übrig. Letzterer erzählt, in seiner Gegen-wart habe der Procamcrario, befragt, warum die gefangenen undüberwiesenen Mörder nicht gerichtet, sondern für Geld freige-lassen würden, geantwortet: „Weil Gott nicht den Tod desSünders will, sondern daß er bezahle und lebe." ES ist zuverwundern, daß inmitten all dieser Vcrderbtheit doch noch einigeErinnerung an die Ritterlichkeit sich erhalten hatte.
Es macht einen seltsamen Eindruck, in dieser Zeit hart ne-ben übertriebenstem Luxus äußerstes Elend, inmitten der schwer,sten Heimsuchungen so viel Heiterkeit zu finden. Der Geschmackan materiellem Genuß, so gefährlich für die Freiheit, und denen,die auf deren Vernichtung ausgehen, so dienlich, war mit unge-heurcr Schnelligkeit gewachsen; die Pracht der Künste, welchees nicht verschmähten, dem Gemeinsten zu dienen und mit ihremReiz das Schmutzigste zu bedecken, und die plötzlichen Reichthü-