Band 
Erster Band. Einleitung. Darstellung, Geschichte und Critik der bisherigen falschen Systeme.
JPEG-Download
 

3si4

fühl der Untergebenen auf da- zarteste geschont. DieseAnordnung findet jedermann billig, fie beleidiget selbst denreizbarsten FreyheitS-Sinn nicht, weil fie der Natur an-gemessen ist, und eben dadurch wird allgemeine Zufrie-denheit möglich. Wer dieses nicht glauben will, der sezeLoch für einen Augenblik, (wenn er auch nur den Gedan-ken ertragen kann) daß der Schwächere befehle und derMächtigere gehorchen müsse. Welch empörenden Uebelstandwird dieses nicht veranlassen und wie würde sich ei» so na-turwidriges Verhältniß in die Länge behaupten können ?Der kraftlose Herrscher von Furcht und Argwohn geängsti-get, müßte beständig suchen den Mächtigen zu schwächen,zu unterdrüken oder zu vernichten, dieser aber, seiner Ue-derlegenheit bewußt, ein ewiger Feind des niedrigen Ge-bieters seyn, seiner Befehle spotten und alle seine Machtzu dessen Sturze anwenden. Diese verkehrte Wett habe»wir eine Zeitlang in unseren Tagen gesehen und hat fienicht die ncmlichen Wirkungen hervorgebracht? Lassethingegen der Natur ihren Lauf und dem Mächtigeren dieHerrschaft: so wird alles von selbst in Ordnung kommen,«orausgesezt, daß bey dem einen so viel Pflichtgefühl alsbey dem anderen vorhanden sey. Beyde Theile werde»«un zufrieden seyn, der Mächtige, weil er keinen Gerin-geren über fich hat und der Schwache, weil er nur einemHöheren dient. Jener hat keinen Reiz, keine natürlicheVeranlassung irgend jemand zu unterdrüken weil er nichtsdabey gewinnen kann und bereits der Höhere ist; ohneZwang wird er freywilligrn Gehorsam finden, sein bloßes

-8) Schon Aristoteles bemerkt, saß dir Reichen wenigerUrsache hätten Ungerechtigkeiten zu begehen, da fie schondasjenige beflzen um deswillen die anderen ungerecht find.pol. IV. c. z. s. ttebersrz. v. Garve.