§9
«her gelingen und von ihnen Schwierigkeiten leichter über-wunden oder mit geringen Aufopferungen größere Vor-theile für den Fürsten erzielt worden sind.
Allein es ist nicht genug Tugenden und Talente zu er-kennen und zu feinen Gehülfen zu wählen, weil auch derBeßte schlecht, der Eifrigste träg werden kann: die wich-tigere Kunst besteht noch darin, diese Beamten stets treu,fähig und eifrig zu erhalten, sogar sich eine Nach-folge ähnlicher Gehülfen zu sichern, und dadurch eine Tra-dition von guten Grundsäzen, Gesinnungen, Kenntnissenund Fertigkeiten zu bilden, in welcher vielleicht die größteKraft eines StaatS besteht. Dazu ist vor allem nöthig,-aß der Fürst feine Beamten und Diener, als seine nächstenFreunde und Gehülfen, hinwieder liebe: also nicht nur diebloßen Rechtspstichten gegen sie erfülle, z. B. ihnen die Be-soldung richtig auszähle, selbige nicht verkürze noch zurük-halte s > ihnen nicht unversprochene übermenschliche Lastenauflege, und ihnen dadurch den Dienst, der eine Freudeseyn sollte, zur Qual und Pein mache: sondern ihnenauch Achtung und wahres Wohlwollen bezeige, für die-selben sorge gleich wie sie für ihn sorgen, 18 > sich auch ih-rer Ehre annehme, sie vertrete, in Krankheit und Alternicht verlasse, außerordentliche oder ausgezeichnete Arbei-ten mit Dank erkenne u. s. w. Sieht man doch schon imtäglichen Leben, daß selbst bey den niedrigsten Menschen-Classen, oft ein freundliches Wort, ein Zeichen der Liebe,
9) Vergl. B. H. S. 141 — 14t,
lo) Faites mes affaires , je serai les ■»otre« , sagte Cttt kluger
Fürst zu seinem Minister; und in diesem Grundsaj der ge-genscitigen Liebe, wo jeder für den andern denkt und han-delt, besteht das ganze Geheimniß gute Beamte zu finden.