beherrschen Blinde die Sehenden und Th.oren die Weise«ren. Vulgo placere, sagte schon Pllltarch, esr sapien-tibus displicere; höhere Weisheit und Gerechtigkeit sindüberhaupt daö Erbtheil von wenigen, so wie glüklicherWeise große Laster und absoluter Blödsinn auch nur inMinorität auf dem Erdboden sind. Mittelmäßigkeit istdaö L006 der meisten; aber die wenigen Weisen und Gu«len finden nicht immer den meisten Beyfall. Bloße Ge-rechtigkeit in gewöhnlichen einfachen Fällen, bisweilenselbst Wohlthaten oder Generositäten die dem einzelnennichts kosten, findet man wohl noch bey zahlreichen Com-inunitäten, weil dafür jeder das Gefühl in seinem In-neren hat; aber bey verwikelten Gegenständen und schwie-rigeren Fragen, wo die Thatsachen eine solche Natur ha-ben, daß sie nicht von jedem richtig erkannt und eingese-hen werden können, oder wo Leidenschaft sich einmischt,da pfiegt die Menge jeder Sophisterey Gehör zu gebenund zu den fürchterlichsten Mißgriffen oder Gewaltthätig-keiten hingerissen zu werden, die ein einzelner oder we-nige, sich vielleicht nie auszuüben gekraut hätten. Fei-nere Klugheit in der Wahl der Mittel, wenn es sich z. B.darum handelt, ob gewisse Befugnisse ausgeübt oder nichtausgeübt werden sollen, ob unter mehreren möglichen For-men der Ausübung, diese oder jene vorzuziehen sey, Be-rathung von Zeit und Umständen, Vorsichtigkeit auf dieZukunft u. s. w. sind noch weniger die Sache von großenVersammlungen. Gewöhnlich findet die heftigste Mey-nung, wofern sie nur erlaubt scheint, den meisten Bey-fall, weil diese allein von jedermann gefasset werden kann,und die Trägheit des Geistes dabey nicht weiter nachzu-denken braucht. Endlich ist es so schwer in zahlreichenGenossenschaften, bey vielen verschiedenen Meynungen,
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