Band 
Sechster Band. Zweyter Theil. Von den Republiken oder freyen Communitäten.
JPEG-Download
 

Freunde mit sehr geringer Stimmenzahl ausschließend zuden höchsten Aemtern zu erheben. Sie ist nur einescheinbare Majorität- in der That aber eine reelle Mino-rität. Denn vertheilen sich auch die übrigen Stimmenauf sehr verschiedene Meynungen oder Personen r so ist esgar wohl möglich und nicht ohne Beyspiel/ daß sie we.nigftens das mit einander gemein haben jene erstere nichtzu wollen. Auch ist die relative Mehrheit nicht die stär-kere Parrey/ deren die Minorität gerne weicht oder im,CollifionS-Fall weichen muß. Denn sollten stch die übri-gen nur dahin vereinigen ihrem Beschlusse nicht zu ge-horchen- seine Ausführung nicht gestatten wollen: so ver-möchte ste ihn doch nicht durchzusezen. Diesem Jnkon-veniente vorzubeugen, müssen also, wie wir anderswo zei-gen werden, sowohl bey Wahlen als bey Berathschlagun.gen, die verschiedenen Meynungen und Vorschläge stetSauf zwey zurükgeführt werden, welche sich wechselseitigausschließen, so daß man sich nothwendig für eine vonbeyden entscheiden, mithin eine absolute Majorität her-auskommen muß. Ist aber die Zahl der Stimmen aufbeyden Seiten gleich, so daß sie sich wechselseitig aufhe-den, so entscheidet entweder das LooS, gleichsam dieBegünstigung einer höheren Potenz, oder die MeynungdeS Präsidenten, oder irgend eines anderen sonst nichtstimmenden Mitglieds, z. B. bisweilen des Sekrekarii, desersten Offizialen u. s. w., welche zu den übrigen Hinzuge.fügt , alSdann die absolute Mehrheit ausmacht.

8 ) Durch solche relative Mehrheit ward z. B. im % 1470 derMezger Kistler zum Schultheiß von Bern erwählt, welche»aber nicht langer als ein Jahr dauerte und den fatalen Streitmit den TerichtSherren des Landes nach sich zog.