Band 
Sechster Band. Zweyter Theil. Von den Republiken oder freyen Communitäten.
JPEG-Download
 

«ung der einzelnen Privat'Meynungen wesentlich noth-wendig , und sie soll in der Regel fortdauern bis niemandmehr zu reden verlangt, mag auch solches den Verstän-di-geren oft noch so langweilig und zeitverdcrblich schei-uen. Allerdings werden dabey auch viele faktische Irr-thümer und ungereimte- Schluß« angebracht, man mußoft viel albernes Zeug hören, bevor ein vernünftiger Ge-danke kömmt; durch die Association- der Ideen wird sogardie Berathung oft so weit von dem eigentlichen Gegen-stände abgebracht, daß es schwer hält die Versammlungwieder darauf zurükzuführen. Mein das gehört nun ein.mal zu den Jnkonvenienten, die mit der Natur aller Re-publiken oder Lorporationen unvermeidlich verbunden sind,,und bisweilen sind auch die Nachtheile nicht so groß ai§man sich dieselben vorstellt, oder sie werden durch andereVortheile eompensirt. Wofern nur die Vortrage gut ab-gefaßt sind und wohl unterstüzt werden r so Pflegen-, we-nigstens im gesunden Zustand der Dinge, die meisten Mit-glieder keine neuen Meynungen zu äußeren, und manch-mal wird au^ Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit, oderaus Schüchternheit nur zu wenig diSkutirt und der Ge-genstand zu flüchtig, abgethan. Die Abweichungen undVerirrungen unwissender Schwäzer sind freylich den wei-seren lästig, aber sie weken auch den Geist von anderenund entwikeln Talente die sonst geschlummert hätten.Eine solche Berathschlagung, wenn sie von einemgutem Präsidenten wohl geleitet und benuzkwird, ist oft gleichsam eine an t i c i p ir t e § r fa hr un g ,wo der eine dieses, der andere jenes zu vermeidende In-konvenient vorher steht; die entgegengeftzten Meinungenreiben sich nach und nach gegen einander ab; das ganz-falsche und schwache fällt allmählig weg, die übrigen