nigung ihrer Mitglieder, die durch gemeinschaftliches Be-dürfniß und ungefähr gleiche Kräfte veranlasset wird.Aber für die Foridaur eines solch künstlichen Vereinsist die Tugend Allerdings ungleich nöthiger als in Mo-narchien/ wo ein ganz anderes Verhältniß existirt, wo dieBerührungen nicht so innig, nicht so häufig find, unddie Aufopferung des eigenen Interesse nicht jeden Augen-blik erfordert wird. Daraus folget jedoch keineswegs,waS Montesquieu vielleicht andeute» wollte, oder wasman ihm wenigstens angedichtet hat, daß in Monarchienkeine Tugenden vorhanden seyen, zumal man in densel-den auch glänzend« Beyspiele von Hingebung und unei-gennuziger Gesinnung sieht; noch viel weniger läßt sichdaraus schließen, daß man nur Republiken zu stiftenbrauche, um alle Menschen tugendhaft zu machen, indemvielmehr die Geschichte beweist , daß Laster und Verbre-chen aller Art nie häufiger und ungefcheuter als in ver-dorbenen Republiken herrschen. Mit einem Wort Ge-wissenhafrigkeir und Pflichttreu sind in alle» geselligenVerhältnissen möglich und nüzlich; weil sie aber in Re-publiken unentbehrlicher alS anderswo sind: so folget nicht,daß sie deßwegen auch wirklich und nothwendiger Weisedort anzutreffen seyen.
Da jede Tugend nur in der Religion ihre Stüze fin-det, nur auf dem gemeinsamen Glauben an eine höhereMacht und an ein höheres, nicht von Menschen erfunde-nes, sondern ihnen beygebrachtes Gcsez, mit anderenWorten auf Gehorsam und Unterwerfung beruht: so isthier blos im Aorbeygang die von Montesquieu aufgewor-fene Frage zu berühren, ob die katholische oder die pro-testantische Religion für Republiken angemessener sey?