Buch 
Alēthinos kai prōtos poimēn : = Verus et primus pastor : feyerliche Danck-Rede des hochwürdigsten Ertz-Bischoffens von Gross-Novogrod, oder Neugard an dem Fluss Wolgowa in West-Russland zu Gott, und an seine versammelte Clerisey auf die Abtrohnung Peters des Dritten Czaars in Russland ... / gesprochen, und aus dem Griechischen in die deutsche Sprache übersetzt von Czsar-Jelim Ivanowiz
JPEG-Download
 

4 E(o)M

verfolgen, und ihrem anvertrauten Volck, als gewaltthätig« Plag,Geister, zur Last sind. Er nennet GOtt einen Erschrecklichen. Ersetzt die Ursache gleich hinzu , weil er den unächrcn Fürsten den Geistbenimmt. Daher kommt es, daß die siebenzig Dolmetschen diesenPsalmen das Lied zu den Assyriern genennt haben, wenn schon unseregrosse Vatter der Griechischen Kirche Basilius, und Tbeodsretus vondieser Dufschrifft nichts wissen wollen, und der Hebräische Grund-Text davon eben nichts meldet.

Es ist dies« schreckvolle Ausdruckung Davids nicht nur alleinvon dem Tod der Königen, sondern auch von der Dummheit, undVerblendung zu verstehen, welche ihren Geist befallt, und also zu re-den, tödet, wenn sie ihrer geschwornen Pflichten vergessen, über Prie,ster, und Layen böse Anstalten ausfertigen, und also nichts wenigerS,als den Namen, den glänzenden Namen eines Fürsten verdienen.

Liebste Brüder! Davids Worte deuteten auf zukünfftige Dinge,und ich gebrauch mich derselben auf die gegenwärtigen. Unsere Zeitensind so verwirrt, daß das grosse Reiche von Moscovien dergleichen we-nig erfuhr, ob es schon unter Ivan Basilowi; demTyrannen, unlerBorisGudenow, und denen falschen Dememen ein schweres Joch trug. Sindwir denn die Unglücklichsten ? Müssen wir denn die saure Umstände mitunsern Lippen verkosten? Sollen wir die aufgerissene Grube mit eigenenAugen erblicken, welche uns mit Priesterthum, und Staat zu verschlin-gen von jenen eröffnet ist, die, beede zu besorgen, sich mit einem bün-digen Eyd verpflichtet hatten?

Ach! ja! es fehlte wenig noch. Die Sachen waren schon soangezettelt, daß der Umsturz des Rußischen Reichs beynahe unver-meidlich schien. Was heiffe Thränen vergossen wir nicht bey unsernOpfer-Tischen ; und was bange seuffzer liessen wir nicht von unsererbeklemten Brust ausbrechen. Unser Jammer wurde noch empfindli-cher , da er sich nirgends als hinter dem Vorhang des Heiligthumsäusser» darfst« ein öffentliches Beklagen über die Ungebühr hatteuns als Schuldige der verletzten Majestät dem Zorn unserer Feindenausgelieferet. Wir wären in sichtbaren Thränen in den Haven derGrausamkeit geschwummen. Die strengsten Verordnungen fiengen anaus uns Knechte zumachen, da wir doch als Gesalbte aus den Klauen

eines