90 XXi. Leben des Cardinals Kollonitsch.
der VIII. ungehindert zum Papste erwählen, ob er gleich dieAusschließung vom Kayser ,n den Händen hatte, auch wußte,daß der Cardinal von Goes zu Verstärkung der Ocsterreichi»sehen Parthey auf der Reise nach Rom begriffen sey; indemletztem aber wollte er Innocemio XII. die Ausschließung ge<ben, da er schon von den andern Cardinälen seiner Partheyerkannt worden. Dem Conclavi 1700. hat er gar nicht bey-gewohnt, sondern ist mit Vorschützung seines hohen Alterszu Hause geblieben.
Mit dem neuen Papste Elemente XI. stund er im gutenVernehmen und wechselte mit ihm Briefe. Derselbe bedien-te sich seiner an dem Kayserl. Hofe, wenn er an solchem er«was, so die Staatsangelegenheiten oder die Ausbreitung desGlaubens anbetraf, zu thun harre. Im Jahr 1701. kriegteer an Herzog Christian Augusten von Sachsen-Zeitz,nachma-ligen Cardinal, einen Coadjutor in feiner Bischöflichen Wür-de , und 1722. erhielte er das Prorectorat von Deutschland.
Als fein großer Patron, der alte Kayftr Leopold im May1705. das Zeitliche gesegnete, hatte er bey dessen Absterbendie Ehre, ihm im Namen des Papsts den letzten Sergen zuertheilen. Der neue Kayser Joseph bestätigte ihn zwar inder würklichen gehetmden Rathswürde, zog ihn aber in Staats,fachen wenig zu Rarhe; wiewohl er auch von dieser Zeit annicht viele Dienste mehr leisten konnte, weiter sehr schwachUnd kränklich wurde , auch in den letztem Monaten seinesLebens fast gar nicht mehr aus seinem Ammer kommen könn,ee. Endlich starb er den 20. Jan. t 707. zu Wien im / OstenJahre feines Alters und 2isten seiner Cärdinalswürde.
Erführt« zwar einen exemplarischen Mandel, war aberdabey eine so scharfe Peitsche derer vermeinten Ketzer, daß,wenn seine Gewalt so groß, als fein Eyfer gewesen, er dasgeistliche Gebäude der Evangelischen Kirchen längst eingeä-schert haben würde. Er pflegte zu sagen: Er fühle sich inseinem Gewissen verbunden , die Ketzerey in Ungarn auszu,rotten, weil einer von seinen Voreltern dieselbe so Unglückelich darinnen gepflanzet habe.