XXXI. Lehen des Cardinals Portocarero. 129
zu Welchem er sprach, er solle eiligst an seinen König schrei-ben und ihm berichten, daß der Proceß gewonnen sey. Eswurde hierauf unverzüglich an alle Sradrhalter und Vice,Kö-nige der ganzen Monarchie geschrieben und ihnen von demTestamente des Königs, jedoch mit der Warnung, das Ge-ringste davon vor der Zeit bekannt werden zu lassen , Nach-richt gegeben, wobey sie zugleich unterrichtet wurden, wie siesich, sobald sie die Zeitung von dem Absterben des KönigSvernehmen wurden, verhalten sollen.
Der Marquis von Harcourt wußte für Freuden nicht,was er dem Cardinale im Namen seines Königs versprechensolle, daß er die Sache so glücklich zu Ende gebracht. Ermachte ihm so gar Hofnung zur Papstl. Würbe, welcheSilm«ngemein kützeite, obgleich nicht die geringste Wahrscheinlich-keit darzu vorhanden war. Es wiest sich auch solches gar baldaus, da Innocentius XII. nicht lange hernach starb Denner bekam in dem darauf eröfneten Conclave nicht eine einzigeStimme. Jedoch er war zufrieden, baß in der Person Cle.mentis XI. wenigstens ein solcher Papst erwehlet wurde, dersich seinen Handlungen nicht hinderlich erwiest.
Nachdem das Testament seine völlige Richtigkeit erlan-get', hielt der Cardinal für nöthig , alle Peksonen, die etwasbarwider sprechen oder den König auf andere Gedanken brin-gen möchten, von dessen Person zu entfernen. Der Kayfer-liche Abgesandte, Graf von Harrach, war der gefährlichstedarunter, daher es der Cardinal so kartete, daß solcher vonder Stunde an, da das Testament unterzeichnet worden, wei-ter zu keiner Audienz gelangte. Der König verschied daraufDen i. Nov. dieses 1700. Jahrs, folglich lebte er keinen'Mo-mu mehr nach der obgedachten Unterzeichnung. Kaum hak-te er die Augen geschlossen, so schritte man zu der EröfnungDes Testaments. Es war in demselben bis zur Ankunft desneuen Königs eine Junta oder Interims-Regierung unterdem Vorsitz der verwittweren Königin angeordnet worden, vonwelcher der Cardinal Portocarero das vornehmste Mitgliedwar. Diese nahm sogleich ihren Anfang und ließ dieses ihreerste Verrichtung seyn, daß sie dem Könige in Frankreich' 2 '