192 XI.V1. Leben des Cardmals Badouaro.
predigte er in solcher Qualität noch immer, wie zuvor, mitvielem Beyfall, führte ein strenges und gottseliges Leben undthat den Armen viel zu Gute. Er setzte sich hierdurch bey herRepnblick in solche Hochachtung, daß er bey Elemente'XI.zur Cardinals - Würde vorgeschlagen wurde, die er auch den17. May 1706. erhielt.
Sobald er davon Nachricht kriegte, legte er das Amt ei-nes Patriarchens von Venedig nieder und gicng nach Rom, all«wo er den 20. Juri. anlangte und von dem Papste mit befon«derer Hochachtung empfangen wurde. Nachdem er seinen öf.fenrlichen Einzug gehalten, ward ihm der Hut aufgesetzt undder Priester. Titel St. Marcellt gegeben, den er nachgehenosmit dem von St. Marco vertauscht hat. Er hielt sich eineZeitlang zu Rom auf und wohnte den Congregationen bey, vondenen er ein Mitglied worden. Endlich begab er sich nach demBißthum Brescia, welches ihm der Papst vor einiger Zeitgegeben hatte, und führte in demselben einen sehr erbaulichenWandel. Es wollte der Quietismus daselbst einreißen, wt«der den er sich sehr eyfrig erwieß,aber sich dadurch vielen Ver«druß zuzog. Er schrieb auch wider den Calvinisten in derSchweitz, Jacobum Picenimrm, welche Schrift in Italiam,scher Sprache gedruckt worden.
Im Jahre 1710. siel Clemens XI. in eine schwere Krank«heit, worüber unter denCardinälm eine große Bewegung em«stand. Der Cardinal Badouaro war einer der vornehmsten,die bey solcher Gelegenheit für Papstmäßig erkannt wurden.Alleine der Papst gelangte bald wieder zu seiner vorigen Ge>sundheir und machte dadurch alle Umschläge der Cardinäle zuSchanden.
Der Cardinal Badouaro lebte darauf nur noch vier Jahrund starb den 17. May 1714. nachdem er sein Alter auf 65.Jahre gebracht, die Cardinals «Würde aber nur 8- Jahre be«kleidet hatte. Er wurde den 21. May mit großem Geprängezur Erden bestattet, wobey sich aus allen benachbartenOrten eine große Menge Volks ernfand, um das prächtigeLeichen«Begängniß mit anzusehen. Die Armen haben ihnsehr bedauert, weil er ihnen jederzeit viel Allmosen gegeben.
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