274 !-XVin. Leben des Cardinals Conti. !
Jedoch da er sich etwas besser verstellen lernte, ließ er sich ,seine Aufführung ganz wohl gefallen.
Die Jesuiten in diesem Reiche wären mit ihm schlechtzufrieden, weil er die Gelegenheit, ihnen wehe zu thun , mitallen Freuden ergrif. Dieses geschah sonderlich 4705. dader Papst von dieser ehrwürdigen Societät, die damals indiesem Reiche fast Königliche Einkünfte harre, einen gewis-sen Tribut verlangte, den sie zu geben sich weigerte. DerHerr Conti verfuhr darauf sehr scharf wider diese heiligenVäker und kehrte sich nicht daran, ob sie gleich von der ver-witweten Königin, als damaligen Regenttn, ganz sonderbargeschützet wurden. Die Regentin wurde darüber so entrü« !stet , daß sie ihm sagen ließ, er möchte sich aus dem Reiche >packen. Alleine verjünge König , der kurz darauf die Re< ,gierung antrat, widerrief diesenBefehl, wodurch diese Prin- !zeßin s§ mißvergnügt gemacht wurde, daß sie die bisher ge,führte Verwaltung des Reichs gänzlich niederlegte.
Den 7. Jun. 1706. wurde er ganz alleine zum Cardinalcreiri und zwar an die Stelle des Herrn Filipucci, d die jCardinalswürde ausgeschlagen hatte. Er vernahm die Nach, ^richt davon mit höchstem Vergnügen und wünschte nichts ^mehr, als daß er nach Rom zurücke berufen werden möchte,«rm von seiner neuen Würde Besitz zu nehmen. Alleine er mußtenoch Klie geraume Zeit in Porrugall bleiben, ehe er zurücke >berufen wurde. Inzwischen erhielt er 1709. das Bißthumzu Ofimo und bald darauf das zu Viterbo. Er wurde auchzum Legaten zu Ferrara anstatt des Cardinals Corsini, derdiese Stelle nicht annehmen wollte, ernennet. Jedoch er hatvon allen diesen Aemrern niemals Besitz genommen , weiler allererst 1710. über Livorno nach Rom zurücke gekommen,in welcher Stadt er seitdem beständig geblieben.
Er langte zu Ansgang des gedachten Jahrs zu Rom anund nahm seinen Abtritt bey seinem Bruder , dem Herzogevon Polt. Den 20. Dec. hielt er seinen öffentlichen Einzug,worauf er aus des PapstS Handen das Biret und einige Tagehernach den Priester - Titel Sr. Quirtnt und Juliektä erhielt.
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