LXXVII. Leben des Cqrdjnals von Sachsen. ZZ7
Im Jahre 1711. hielt er sich einige Zeit zu Dreßden,jedoch nur incognito auf, und verrichtete in der daselbst neu,gebauten Eatholischen Schloß-Capelle verschiedene geistlicheHandlungen. Er stiftete auch zwischen dem Könige August»und seinem Bruder, dem regierenden Herzoge zn Zeitz, einenVergleich, wobey ein besonderer Receß aufgerichtet wurde,den man den,29. März von-beyden Theilen unterzeichnete.Der Haupt »Punct betraf die von dem.Herzoge gesuchteReichs.und Krayß'Seßion und Stimme wegen des StiftsNaumburg, deren sich nunmehro der Herzog begab, da ihmdie Herrschaft Tautenburg wieder eingeräumet wurde.
Den 17. April eben dieses IahrS starb der Kayfer Io«seph an den Blattern. Der Cardinal von Sachsen verlohreinen großen Patron an ibm; jedoch wurde der Verlust garbald ersetzt, da dessen Bruder, König Carl III- von Spanien,der den r-r. Oct. unter dem Namen Caroli VI. zum KayjHrerwählt wurde, ibm in den gesammken Oesterreichischen Lan-den succedirte. .Dieser bestättigteihnuichc nur in der Wurdeeines würklicheu geheimen Raths, sondern wär ihm auch inireben so hoher Gnade zugethan, als der vorige Kayftr. Erhalte die Ehre, ihn den 22. May 1712. zu-Preßburg zumKo«nige in Ungarn zu krönen , worauf er noch vor AuSgangdeSJahrs die Proleckion von Deutschland erhielt. .
Den i 3 . Dec. 1713. starb sein jüngerer Bruder, Her-zog Friedrich Heinrich zu Neustadt an der Orla, weicher ei-nen einzigen Prinzenvon n. Jahren, Namen^Moritz AdolphCarl, hinterließ, den er gerne mit einträglichern Einkünf-ten , als er bey seiner Apanage zu gewarten darre, versehen> wolte , wenn er ihn nur in den Schoo.ß der Römisch - Cakbo-ilschen Kirche briugen.könnte. Er fienq daher an, mit sei-nem ältesten Bruder, dem Herzoge zu Zcitz, geheime Briefezu wechseln und denselben selbst unter allerhand scheinbare n Vor-stellungen und güldenen Versprechungen zum Abfall von derEvangelischen Religion zu bewegen, welches auch gleich an-fangs ziemlichen Jngreß fans. So bald der Cardinal solchesMerkte, suchte er das Werk eyfrrger zu treiben. Ex schickteden Herrn von Röoer, der gleichfalls von der Evangelischen