XX l V Vorrede des Herrn Rollitt. !
den zulassen können, daß sich die wichtigsten Digge, nach solchengeringen und citeln Gewohnheiten richten müssen. So, dostman, ohne ihren 'Ausspruch, weder Krieg angekündiget, nochSchlachten gcliefcrr, noch den Sieg verfolget. Wozu doch Ue- iberlcgung gehörte, weil diese Dinge a evon größter Wichtigkeit !waren,unsaufdenselbenöftersdasSchicksal unddasHeil gan- !zer Länder beruhte.
Zu gleicher Zeit muß man doch aber auch billig seyn, und be»kennen, es se» vermöge der Sitte», Gebräuche und Gesetze dazu-mal ni.bt erlaubt gewesen, von diesen Gewohnheiten abzugehen.Zumal, da die Erziehung die väterlichen Erzählungen von un-denklichen Zeiten her, die llcbcrredung und die allgemeine Ueber-einstimmung aller Völker, die Lehren ia selbst d,e Beyspiele derPhilosophen, ihnen diese Gebräuche ehrwürdig machten: da all«diese Gebräuche, w abgeschmackt sie uns scheinen, und so abge-schmackt sie auch würklick sind, einen Theil des öffentlichen Got-tesdienstes und der Religion bey den Alten, ausmachten
Diese Religion war falsch, und dieser Gottesdienst übel an-gebracht. Unterdessen war doch der Grund desselben lvbenswür-dig und in der Natur gegründet. Er war ei» trüber Fluß, deraus einer reinen Quelle entsprang. Was nicht gegenwärtig ist,davon weis auch «'er Mensch nach seiner eigenen Erkenntniß,nichts. Das Zukünfftige ist ihm ein Abgrund, der auch der leb-hafftcstcn und durchdringenden Scharssichtigkeit verschlossenbleibet, und der ihm nichts gewisses zeiget, worauf er seine Ab-sichten gründen, und wvrnach er seine Enkschlüssmigcn einrich-ten könnte. Kömmt es zur Ausführung, so ist er nicht wenigerschwach, nicht weniger unvermögend. Er fühlet, daß er einerallmächtigen Hand gänzlich unterworfen ist, die, mit einer un-umschränkten Macht, alle Begebenheiten ordnet: Und die ihmdurch die geringsten Hindernisse und durch die leichtesten Zwi-schenzukällc, die Ausführung seines Vorsatzes gantz und gar un-möglich macht; er mag sichs noch so sauer werden lasse», er magseine Dinge noch s» klug und wohl ausgcsvnnen anstellen wollen.
Diese Finsterniß, diese Schwachheit verbindet ihn, seine Zu,ßucht,z» einem hohen Lichte, und einer höheren. Macht, zu neh-men. Sein eigene Noth, und das heftige Verlangen, in seinemUnternehmen glücklich zu seyn, treiben ihn, daß er sich an denie-nigen halt der, wie er weis. sich alleine die Erkenntniß des Zu-künftigen, und die Macht darüber, vorbehalten hat. Er betet,er thut Gelübden, er bringet Opfer dar, und will damit von derGottheit so viel erlangen, daß sie sichs gefallen lasse, sich durchOrakck oder Träume oder andere Zeichen zu erklären, worausman ihren Willen erkennen könne. Denn er ist überzeugt, eskönne nichts geschehen, als was sie ordne, und es sey ihm sehr vieldarap gelegen, daß er sie erkenne, damit er sich derselbe» gemäßverhalten möge.
Dieser Religionsgrund von der Unterwürfigkeit und Ehrer-bietung gegen das höchste Wesen, ist dem Menschen angebvhrcn: