46 Von Lyrischen Poetelt. >
allein alle die verschleimen Schönheiten ein,die man in den verschiednen Arten von Ge-dichten anbringen kann. Ja sie hat noch !etwas mehr, welches nur rhr zugehört,und welches ihren wahren Charakter aus-macht. Dieses ist die Begeisterung. InAnsehung dieses Vorzugs glauben die Po-eten, daß sie die Ode mit der Juno desHomers vergleichen können, welche denGürtel der Venus anlegt, um sich dadurchreizender zu machen, welche aber allezeitdie Königinn der Götter bleibt, und durcheine gewisse Hoheit, die ihr allein eigen ist,ja selbst durch die Majestät ihres Zornsund ihrer Wuth von andern unterschiedenwird.
Diese Begeisterung läßt sich besser füh- ,len, als beschreiben. Wenn ein Scribent !davon eingenommen wird : So wird seinGeist erhitzt, seine Einbildungskraft ent-zündet sich, und alle Kräfte seiner Seelewerden munter, und vereinigen sich zu derVollkommenheit seines Werks. Bald fal-len ihm die edelsten Gedanken und dieprächtigsten Züge, bald aber die zärtlich-sten und angenehmsten Bilder in grosserMenge ein. Bisweilen bemächtiget sichauch das Feuer der Begeisterung feinesGeistes so stark, daß er dadurch hingeris-