Band 
Zwölfter Theil.
JPEG-Download
 

rc>6 Von lateinischen Poeten.

ltbr. i.

wenn er zwey hundert Verse? in wenigerZeit dictirte, als man brauchte, dieselbenniederzuschreiben. Mit einem Worte,Horaz vergleicht ihn mit einem Flusse, inwelchem unter vielem Schlamme, gleich-wohl auch ein kostbarer Sand mit durch-stießt.

«atrr.w. Das Urtheil, welches Horaz über denLucil gefällt hatte, erregte zu Rom eingrosses Geschrey. Die Anhänger diesesletztem nahmen es sehr übel, daß man sichunterstand, von ihrem Helden auf diese Artzu reden, und sprengten aus, Horazschmähte aus keiner andern Ursache aufdenLucil, als weil er neidisch wäre, und sichdadurch über ihn setzen wollte. So unge-recht auch ihre Klagen waren, so müssen wirihnen doch sehr dafür verbunden seyn;Denn wir haben denselben eine vortreflicheSatyre zu danken, in welcher Horaz denVerdiensten des Lucils alle mögliche Ge-rechtigkeit wiederfahren laßt, zugleich aberauch das von ihm gefällte Urtheil, durch un»umstößliche Gründe behauptet.

Ich bin zur Ehre des Ouintilians ver-drießlich, daß ein so vernünftiger Criticus,als er, bey einem so richtigen Geschmacke,von dem Urtheile des Horaz in dieser Sa-che abgegangen ist. Er kann es ihm gar

nicht