Band 
Zwölfter Theil.
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« Von lateinischen Poeten. 169

! sehr einnehmend und munter: Die Art aber,mit welcher die Materien von dem Phädrusabgehandelt worden, giebt ihnen alle mög-liche Anmuth und Zierlichkeit, so daß manwohl sagen kann, unser Dichter habe sich inseinen Fabeln der Sprache der Natur bedient,werk die Schreibart darinnen so ungekünstelt> und frey, und doch so witzig und fein ist.

Diese Fabeln sind, in Ansehung der guteni Lehren, und der gründlichen Sittenlehre,

! welche darinnen vorkömmt, nicht wenigerschätzbar. Ich habe schon an einem andernOrte, wo ich von dem Aesop rede, gezeiget,wie gebräuchlich und rühmlich diese Art zut unterrichten bey den Alten war, und wie vieldie gelehrtesten Männer daraus machten,j Wenn man auch diese Fabeln von keiner ansdern Seite betrachten wollte, als daß sie bey§ der Erziehung der Kinder grossen Vortheilbringen, weil sie ihnen schon,unter derSchaaleeiner lustigen Erzählung, die Grundsätze derRedlichkeit und der Weisheit vorlegen: Sowüste uns doch der Werth desselben schonsehr groß vorkommen. Allein Phädrus istin seinen Absichten viel weiter gegangen.Es ist kein einziges Alter, und kein einzigerStand, welcher nicht in seinen Schriften die. vortreflichsten Grundsätze einer klugen Auf-führung finden könnte. So wie die Tugen-85 den