178 Von lateinischen Poeten.
»ilcsur. Der Herr Despreaux rechtfertiget sichdurch dieses Beyspiel. „Wir wollen, sagt„er, den Persius untersuchen, welcher unter„der Regierung des Nero schrieb. Er spot-tet nicht etwan nur über die Werke der„Poeten seinerzeit; Er greift so gar die„Verse des Nero an. Denn mit einem„Worte, alle Welt weis, und der ganze Hof„des Nero wüste es, daß die vier Verse
worüber Persius„in seiner ersten Satyre auf eine so bittre„Art spottet, von dem Nero waren. Gleich-wohl findet man nicht, daß Nero so sehr„er auch Nero war, den Persius hatte„strafen lasten; Und dieser Tyrann, welcher„ein Feind der gesunden Vernunft, und, wie„man weis, in seine Werke auf eine lächer-liche Art verliebt war, war doch galant„genug, daß er über seine Verse Scherz ver-band, und glaubte nicht, daß sich derKays„ser, bey dieser Gelegenheit, des Poeten„annehmen dörfte.
Das Werk des Persius, in welchemman eine sehr reine Sittenlehre, und einenwunderwürdigen Vorrath von gesunderVernunft antrifft, hat ihm, ob es gleichnicht groß ist, viel Ruhm, und wie Ouin-tilian sagt, einen gegründeten Ruhm ermor-den.