46 I. Von der Bildhauerkunst.
einer beynahe unmöglich scheinenden Geschickte zugedenken: In Avarien erhielt ein Bildhauer ei-nen oft gewünschten Befehl, Statuen zu verferti-gen. Er vollzog ihn mit oben erwähnter Acm-sigkeit, und erhielt dafür seine Belohnung. Weilaber diese Arbeit keinen Beyfall erhielt; so wurdeein Bildhauer zu derselben Verbesserung berufen.Dieser entschloß sich fast wider seinen Willen, einfremdes Werk von Marmor zu verbessern; er-wähnter Tafeln ungehindert aber wurden die Sta-tuen viel ansehnlicher, und, welches beynahe un-glaublich ist, auch größer als vorher. Alsomußte der unschuldige Marmor dreyerley Gewaltausstehn, ehe und bevor er zu der Ehre gelangte,wodurch er selbst, und der Ort, auf dem er pran-get, verherrlichet worden.
Ich habe zu Rom das Modell einer päbstli.chen Colossalfigur lange vorher im Kleinen gese-hen, ehe man das Maaß um den Marmor nachCarrara geschickt hatte. Anderwärts aber suchtman vorher Marmorstücke, und macht die Mo-delle auf ein Gerakhewohl nach der Masse desSteins. Dergleichen Fälle können den Liebhabernder Kunst zu einiger Warnung dienen.
Ich kehre nun wieder zu unserm fleißigenSchüler zurück, welcher sich sehr in Acht nimmt,daß der Meisel ihm nicht zu viel Stein wegreiße,und sich auch über diesis nach dem angegebenenUnterricht ziemlich gut anstellet. Nur muß ich
ihm