Band 
[Theil II.]
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54 I. Von der Bildhauerkunst.

Regeln geben kann. Es ist' offenbar, daß, wennder Kopf schön ist, alles übrige im Auge des Be-obachters auch schön werde, und wenn der Kopfihm ungestaltet vorkömmt, er alles andre auchvernachlaßige. Man kann noch mehr sagen: essind so viel verschiedene wunderbare Theile imKopfe, daß, wenn man einen jeden insonderheit,oder auch alle zusammen an ihre gehörigen Stel-len gebracht hat, man sich fast eben desselbigen Lo-bes getrösten könne, weiches ein andrer durch einenoch so fleißig und richtig verfertigte Statue ver-dient. Denn ein jeder, welcher das Angesichtbetrachtet, wird gleich zum Richter, und weis zusagen, ob der Kopf gut oder schlecht sey; hinge-gen von andern Theilen des Leibes wird er allesnur überhaupt nehmen, und ohne Einsicht derKunst beurtheilen. Weil also meistens nur derKopf allerley Meynungen und Tadel ausgesetztist; so muß man auch dabey alle Mühe anwenden,mit einer reifen Ueberlegung daran zu arbeiten,und dieses um so viel mehr, als man in der Be-trachtung des ganzen Antiquen wahrnimmt, daßbey nahe alles nur in Portraiten besteht.

Alle antiquen Medaillen sind entweder Köpfeoder Brustbilder,und alle Statuen sind fürKöpfevon Helden, die sie vorstellen, gemacht. Dieseszu beweisen, darf man nur eine Skatüe in einerConsularkleidung ansehen, so wird man gleich ei-nen Claudius, einen Fabius , oder Marcelluserblicken. Sind es Kleidungen eines Kaisers;

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