56 I. Von der Bildhauerkunst.
§. i6.
Welcher Theil im Angcsrchte vor andern aus-zuarbeiten ist.
Ist man nun entschlossen, einen gewissenKopf zu kopiren, und hac man bereits den Mar.mor, wie oben berichtet worden, an seiner Stellezubereitet; so kann man mit dem starken Eisenallgemach denselben in eine Form überhaupt zu-sammen hauen, und den ersten Theil mit dem ge-spaltenen Eisen fast bis auf das Lebendige angrei-fen. Als Michelagnolo gefragt wurde, wie eres mache, daß er so schöne Statuen und Köpfeaus dem Stein heraus brachte? so antwortete er:dieses ist ganz leicht, denn die Figur steckt schonim Marmor. Was ist also zu thun? Manstemmt und hauet den Stein fleißig davon, undräumt alles weg; so steht die Figur vor Augen,und tritt gleichsam selbst hervor.
Es kömmt also nur darauf an, wie man zuWerke gehen soll, den Marmor wegzuräumen.Man fangt bey oben gedachtem ersten Theil, näm-lich bey der Nase an. Denn durch diese wirdman nach und nach die ganze Menge der übrigenTheile des Kopfs finden. Hier muß man aberkleine und scharfe Eisen, auch kleine Raspeln brau-chen, damit man ihre Spitze von unten emporbringe, und daran, als einer gefährlichen Sache,nichts zerbreche. Ist sie sodann erhöht; so zeigtsie gleich drey Theile des Angesichts, die Entfer-nung