74 ! Von der Bildhauerkunst.
Am Barte schadet es weniger, wenn man imGroßen, als im Kleinen fehlt. Man muß dains Viereck arbeiten, und von den äussersten Thei.len sowohl oben als unten einen Faden, der dasuntere Kinnbein formirt, bis an die Ohren an-bringen. Unter diesem Faden muß wenig odergar kein Fleisch seyn, es sey denn, daß es ein Por-trait wäre; denn dieses muß man zuweilen ganzanders machen, als es die bisher beschriebenen Re-geln erfordern.
§. 26.
Von den Ohren.
Die Ohren haben die Herrschaft über dasGehör, beurtheilen den Gesang, und sind von derNatur mit solcher Kunst gemacht, daß ich ohneBedenken sagen kann, daß in keinem Theile dermenschlichen Figur mehr Arbeit und Beschwer-lichkeit zu finden sey, als in den Ohren. Siehaben ihren PlaH zwischen den Kinnbacken, Schla-fen und dem Halse, wo das erste Halsbein an-fangt, und sich mit den Achselbeinen vereiniget.Sie stehn im Profil des Kopses, wo sie unmittel-bar oberhalb der Augenbraunen anfangen, und ingerader Linie herunter mit dem Ende der Nasen-löcher sich endigen. Ihre Gestalt ist einer vonden Theilen des Gesichts, welche in den seltsam-sten Verhältnissen oft nicht größer oder kleiner ist;größer bedeuten sie gute Sitten; kleiner aber dasWiderspiel. Sie verstellen auch den Theil der
Figur,