I. Von der Bildhauerkunst. 8 z
aufhalten, damit die dem Begriffe dieses Theilsund der Arbeit nützliche und vortheilhafce Beob-achtungen nicht mit Stillschweigen Übergängenwerden.
Schon der Titel von den Portraiten selbstscheint diesem Theile der Kunst einen Vorzug zugeben, weil andre Köpfe nur manicrmäßig, dieseaber mit einer sehr eifrigen Art gemacht werden,damit die menschliche Bildung in der dauerhafte-sten Materie getroffen werde. Dieses ist abereine Arbeit von so großer Wichtigkeit, daß Ale-xander von niemand als vom Apeiles wollte ge-malt, und von niemand, als vom Pyrgvleies inEdelgestein gegraben, oder vom Lystppus inMarmor gebildet werden.
Ein Werk, welches eine Aenlichkeit erfordert,zeigt allen Künstlern einen wunderbaren und vor»trefflichen Ausdruck an. Die Aenlichkeit hat auchvor allen andern Sachen den Vorzug, und laßtsich unter den Wunderwerken der Bildhauerkunstseinen Hauptrang gewiß nicht streitig machen.Denn wenn ein Bildhauer einen Menschen mitrothen Haaren, mit grauen Augen, und mit brau-ner Farbe abbilden muß, so macht er ihn in weis-sem Marmor, oder in einem Stück von Thon soänlich, daß jedermann ihn kennt, obschon der Mar-mor und die Erde von seinem Gegenstände ganzunterschiedene Farben haben. Daher muß manbekennen, daß ein Werk der Natur mehr in derForm des Erhabenen, als in der Farbe bestehe.
§ » Das