Band 
[Theil II.]
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I. Von der Bildhauerkunst. 87

ses Ludovisi nichts anführen, in dessen Angesichtman das Edle der Gesichtsbildung, den Mannvoll Verstand und Gelehrsamkeit so deutlich wahr«nimmt, daß so gar die Augen durch das Studi-ren geschwächt zu seyn scheinen? Wie viele andrevollkommene Abschilderungen waren hier nichtnoch anzuzeigen? Man sehe den Diogenes derFürsten Iustiniane, die Agrippina der Vitelle.schi; den Lucius Verus der Fürsten Borgheseund ihren Belisarius. Man betrachte noch sehrviel andre, sowohl antique als moderne Werke inMarmor zu Rom, die man alle von Gyps abge-formt bekommen kann. Es müssen aber gelehrteund kunstverständige Augen seyn, welche solcheStücke ansehen, und daraus Nutzen schöpfenwollen.

Zur Aufnahme der Bildhauerkunst habe ichnur noch ein Wort mit den Großen der Erdenund mit wirklichen oder vermeynten Schutzgötternder Künste zu reden: daß sie nämlich, wenn sieselber gut bedient seyn wollen, dem Bildhauersowohl Bequemlichkeit und Zeit, als die Erlaub-niß, ihr Angesicht zu betrachten, und es unberührtnachzuformen, einige Minuten vergönnen möch.ten. Gesetzt, es geschähe täglich nur eine Vier-telstunde nach ihrem Belieben, so würde das An-gesicht in einer Woche fertig seyn und seine völligeAenlichkeit haben. Sie ersparetcndadurchdasvieleSitzen vor den Malern, und ihre Abbildung könnteohne ihre Person hernach von allen andern Künst-F 4 lern