Band 
[Theil II.]
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88 l. Von der Bildhauerkunst.

lern nach eines jeden beliebigen Stellung abge-schildert und vervielfältiget werden; wie ich der-gleichen nach einem metallnen Kopfe nachgebildetePortraits in verschiedenen Materien, geschnitzt,modellirt und gemalt, mit Vergnügen gesehenhabe. Der Einfall des TlNtoretto darf sie da-von nicht abschrecken. Obgleich dieser berühmteMaler mit dem saryrischen ArettN in Feindschaftlebte; so kam dieser dennoch zu ihm, sich abschil-dern zu lassen. Ttrttorctto, welcher gleich will-fährig war. setzte sich zur Staffeley, unversehensaber zog er eine kleine Pistole aus dem Sacke, undfuhr ihm damit unvermuthek unter das Angesicht.Weil nun Aretin hierüber erschrack, so sagte Tm-toretto, er wolle nur das Maaß nehmen, weiler keinen Zickel bey der Hand hatte. Aretin be-urlaubte sich bald unter verstellten Freundschaftsbe-zeugungen, nachdem er einige Zeit fast ausser sichgesessen hatte. Von dieser Zeit an zähmte Aretin so-wohl seine Feder als seine Zunge. Dergleichengefährliche Scherze sindet man aber nur da, wosolche Aretinen und Tintoretten im Rufe sind.

Ich will nur hier denjenigen noch einsund dasandre im Vertrauen sagen, die sich einbilden, daßdergleichen Abschilderungcn keine große Mühe er-fordern. Solche Leute dürfen nur betrachten,daß in einem veststehenden Klotze von Thon, Me-tall, oder Marmor nichts gutes könne zu Standegebracht werden, wenn das zur Abschilderung be-stimmte Angesicht sich weder betrachten läßt, noch

den;