II. Von der Bildsäule des Laokoon. 125
bracht worden, durch welche man die hohe Geburtdesjenigen deutlich erkennen kann, dessen Bildnißer hat machen wollen. Er zeigte auch den wah-ren Zustand, worinn er sich befand, als er mitseinen Söhnen von zwoen aus dem Meer herge-schwommenen Schlangen ermordert worden.
Laokoon war auch wirklich ein Sohn desKönigs Priamus, den er mit der Heknba ge-zeuget hatte. Es konnte auch kein Leib ausge-dacht werden, welcher seinem Alter, seinem Adelund seinen Eigenschaften anständiger gewesen wäre,als derjenige, den uns der Künstler vor Augen ge-stellt hat.
Man wird keinen Körper finden, an welchemdie Nerven und Muskeln allzu merklich ausgedrucktsind, und an welchem eine große Stärke erscheint.Er kömmt dem farnefischen Herkules nicht bey,und warum? Dieser königliche Prinz, der einPriester des Apollo war, hatte gewiß weder dasTemperament, noch die mühsamen und rauhenArbeiten, wie jener, auszustehn, und über dieseshatte man auch keine Ursache, ihn so kräftig undstark vorzustellen.
Man hat ihm auch diejenigen Verhältnisse nichtgegeben, welche man in der Statue des Apollo wahr-nimmt. In dieser Figur herrschet eine Anmuth,eine Grazie und Majestät, welche zu erkennengiebt, daß man einen Gott habe vorstellen wol-len, und daß alle Gliedmaaßen vielmehr deswe-gen in dieser Gestalt zusammengesetzet worden.