124 ll- Von der Bildsäule des Laokoon.
Es ist bis auf diese Stunde noch keine Sta.tüe in der Welt gefunden worden, welche manmit dem Laokoon in Vergleichung sehen könnte.Sie ist ein Kunststück, welches durch so vieleJahrhunderte zur Bewunderung gedient hat, undes auch noch ferner bleiben wird.
Die drey berühmtesten Künstler von ganzGriechenland haben daran alle ihre Wissenschaftund alles Vermögen ihrer Kunst erschöpft. Vonder Zeit seiner Entdeckung an hat es den gelehrte-sten Malern und Bildhauern immerfort zumHauptmuster ihrer Bemühungen gedient. Wievernünftig haben nicht dergleichen große Männergedacht! Durch dieses Antique kann man die wah-re Manier zu zeichnen lernen, und ergründen,wie eine natürliche Schönheit auszudrucken sey.Keine griechische Statue zeigt uns Umrisse, wel-che besser ausgeführt wären. Durch sie kannman die Fehler, welche in der Natur gemeiniglichvorkommen, verbessern lernen. Alles erscheintdaran im Stand einer solchen Vollkommenheit,daß man nicht anders als vermuthen kann, dieNatur würde alle ihre Erzeugungen solchergestaltan den Tag bringen, wenn keine Hindernisse, al.len Sachen eine unmangelhafte Form zu geben,bald da, bald dort im Wege stünden.
Was diese Gruppe, besonders aber den §ao-koon, noch so schätzbar macht, ist die durchdrin-gende Wissenschaft, welche der Künstler dadurchgezeigt hat, daß alle Kennzeichen darin» ange-bracht