II. Von der Bildsäule des Laokoon. 127
sich anderwärts auch zu Nutze gemacht. Ichwende mich aber wiederum zum Vater:
Seine Leibesgestalt ist schön, edel, und groß;sein Haupt hat alle Eigenschaften eines Menschenvon Ansetzn; es ist beynahe von einer runden Form,und die Nase prangt mit ihrer ordentlichen Gestalt;die Stirne ist breit, die Augen von einer gehörigenOeffnung, sein Mund von mittlerer Größe, undwenn die Bewegungen, welche in seinem Ange-sicht durch den Schmerz entstanden sind, desselbenZüge nicht verstellt hatten, so würde man darumdie schönsten nnd natürlichsten Kennzeichen einesehrlichen und wackern Mannes wahrnehmen.
Seine Arme find lang lind stark, und die El-lenbogen so schön gezeichnet, wie sie einer ehrwür-digen Person anstehn. Die Füsse sind vest undvoller Nerven, und zeigen Muth und Herzhaftig-keit. Man sieht, daß die Künstler alle Müheangewendet haben, jeden Charakter sehen zu lassen,der ihm anständig ist.
Alle übrigen Theile des Leibes sind mit einersolchen Einsicht und mit einem solchen Verständegemacht, daß sie sehr wohl zu erkennen geben, wieman nicht verlangt habe, nur ein Bild von lauterSchmerz vorzustellen,sondern dieAbschilderung ei-ner Person zu verfertigen, aus welcher eine adeli-che Geburt, ein erhabenes Ansetzn, sonderbareVerdienste und hohe Gemüthseigenschaften her-vorblicken.
Seine