r z4 Von der Bildsäule des Laokoon.
zu werden. Dergleichen Ausleger fremder Ge.danken suchen gemeiniglich durch das Ansetzn gros.ser Männer ihren Stolz und ihre Unwissenheitempor zu heben, wie es auch in diesem Fall ge-schehen ist. Denn Titian hat selbst den §ao-koonttschen Kopf nachgeahmt, als er zu Vene-dig in der Minoritenkirche (!a Lkueia krati)den heiligen NicolauS gemalt hat. Alle Kennerglauben in diesem Bilde Laokoons Kopf wahr-zunehmen, ausser, daß Titian darinn den Aus-druck der Verzweiflung sehr gemaßiget hat.Dergleichen sehen sie auch im Kopfe des heiligenPaulus in der Entzückung vom Poußill.
Hatte Titian die Denkmaale des griechischenAlterthums sich so sehr, als Raphael von Urbi.no, eigen und bekannt gemacht; so würde er ihmin der Zeichnungskunst nicht immer nachgesetztwerden.
Ich übergehe hier eine Menge kritischer Be-obachtungen mit Stillschweigen, welche keine rö-mischen, sondern fremde Künstler, um den Lao-koon nicht loben zu müssen, von diesem unschätz-baren Ueberbleibsel der griechischen Geschicklich-keit ausgestreut, und sich nicht gescheut haben, das-jenige in den Verdacht einer Nichtswürdigkeit zusetzen, was mehr als zwey tausend Jahre von dengrößesten Meistern ohne Unterlaß gelobt, bewun-dert und nachgeahmt worden.
Ich wünsche auch, daß alle Maler und Bild.Hauer sich nicht verführen ließen, sondern von der
römi-