Band 
[Theil II.]
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II. Von der Bildsäule des kaokoon. r zz

römischen Schule, oder besser zu sagen, vom Ra»phael die Zeichnung, und vom Titicm das Colo-rit lernen möchten. Hätte Titian den Laokoonund andre schöne Alterthümer wie Raphael stu-dirk; so wäre er auch ein Raphael geworden:und hätte Raphael so lange, als Titian gelebt;so würden wir heute nicht jeden von diesen bey-den großen Künstlern insonderheit, sondern beydein einem jeden von ihnen nachahmen und verehren.

Ehe ich diese Abhandlung schließe, will ichnoch ein Beyspiel eines sehr ungeschickten Kunst-richters anführen, der den LaokovN als einenPriester gekleidet und nicht nackend zu sehen ge-wünscht hat. Ein solches Vergnügen hätte ersich ja leicht dadurch verschaffen können, wenn er ei-nen bloßen Mantel, oder sonst ein langes Gewandüber die Statue gehangen hätte, welches ihm seinenWunsch schon gewährt haben würde. Allein wiewaren ihm denn alle übrige Schönheiten, bcson-ders der Schmerz, so sinnlich geworden? wie hätteer die Wirkung des Gifts an der Erstarrung ei-nes Schenkels wahrnehmen können, wie Ver-min? was hätten die drey griechischen Künstlerdaran für einen Gegenstand ihrer so unermeßli-chen Kunst gefunden? Nichts, als eine MengeFalten, anstatt so unzähliger Vortheile, würdenuns übrig geblieben seyn. Hier kann man be-haupten, daß Agesander, Polydor und Athe-nodor sich derjenigen Freyheit bedienet haben,welche allen guten Künstlern eigen ist, nämlich,

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