oder die sogenannte Portraitmalerey. 165
seltsamste ^oüt darocq und andre Ungereimt-heiten gefallen ihnen besser, als der höchste Ge-schmack der Kunst.
Apelkes. Du redest ja deutsch, wie ichhöre. Also kommt das Wort Portrait von kei-ner Akademie, sondern vom schönen Geschlechtund ihren Anbetern her?
Titian. Wir Italianer haben das WortIstitrutto, welches die Deutschen durch Abbildungübersetzen; also muß das Portrait mit der Modehinüber gekommen seyn. Wenn aber ein Por-trait nichts anders ist, als ein Gesicht, und diePortroitisten nichts, als dieses malen können; sofrage ich, was denn die übrige Malerey sey, undwie man sie eigentlich nennen soll? wie könnendenn die Männer leben, welche in allen Theilender Kunst vortrefflich sind, und für keine Portrai-tisten gehalten werden?
Van Dyck. Sie leben, wie ich gelebthabe, wenn sie wie ich Portraite malen. Soviel Werke von meiner Staffeley weggetragenworden sind- so viel wünschte ich in lauter Köpfeverwandelt zu sehen, als ich noch den Pinsel führ-te. Ich wäre dadurch so reich geworden, daßich damals ein Land, wie unser Elysium, hatte kau-fen können.
Apelles. Es ist Schade! Die wahre Kunstzu malen muß also unvermerkt ein Ende nehmen;die Maler ahmen nichts alsAngesichcer nach; dieL z wenig-