Band 
[Theil II.]
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oder die sogenannte Portraitmalerey. 171

Apelles. Man wird euch doch deswegennicht Pprtraitisten genennt haben? Wir Grie-chen sind wenigstens mit diesem Titel niemals be-ehrt worden, ob wir schon nicht wenige Abbil-dungen ans Licht bringen mußten; wir hätten eSauch nicht gern gehört. Unser Ruhm war uner-meßlich; wie konnten wir denselben in den engenBezirk eines Angesichts einschränken lassen? wirhätten uns ja der Ehre beraubt gesehen, welcheman uns wegen der herrlichsten Gemälde von vie-len Jahren her bereits wiederfahren ließ. Wernur einen Fuß, eine Hand oder einen Kopf malt,den kann man nicht anders als einen Fuß-Hand-oder Kopfmaler nennen. Malt er aber alles,warum soll er nur wegen eines Stückes odcr Thei,les, und nicht wegen des Ganzen gelobt werden ?Wer sich also rühmet, daß er ein Portraitmalersey, der sagt uns, daß er nur einen Kopf oder einAngesicht nachschildern könne, ohne uns noch zuüberzeugen, daß er in diesem Theile der Kunstandre geschickte große Künstler erreiche. Ist erunbssorgt, ob seine Augen in einem Bildniß wei-nen, sein Mund lache, die Stirne ernsthaft odertraurig sey; so werde ich ihn verachten. Weissein Pinsel aber ein Angesicht nach allen Kunstre-geln auszuführen; so werde ich ihn hochschätzen.

Der Fremde. Es ist ein eitler Hochmuth,wenn ein Portraitist wider seines gleichen einenAusspruch thut. Hak nicht, wie ich höre, Alex-ander nur dir erlaubt sein Angesicht zu malen?Also wärest ja du nur sein Portraitmaler.

Apel-